Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 4 (1.4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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i>8 — Slber öeiA '.Woniviiiuv nennt sich ein|e „wissenschaftliche" WeltiinjäKiuuim, ii'oniit er einschliestenö bebeuiptet, jede andere Weltall schau unji sei unwissenschaftlich. stelle i»i Widersprllcil mit den Ergebnist'en der^Wissenschaft. Ware dein so, dann in der Tat hätte die letzte Tlnnde für dar- Indeiunm geschlagen. Unsere Väter hätten jahrtausendelang für einen Wlnubeii gelitten, beii die Wissenschaft unserer Tage als ein Trugbild erkannt bat und nichts könnte die völlige Enljndnng unseres Ttammes anslialien. Tie äusteren «Tonnen liesten iict, wobl ans Tpportlinitälsgründen oder ans Pietät noch eine -jeitlang. beibel,alten: Je' mehr aber der Gedanke einer entglittenen Welt in den Teelen künftiger, monistisch ausgewachsener Geschlechter sich festielzt, je inbaltsloser, je gespenstischer lvürden lliiten und Tpinbole, wiirde der sittlich-religiöse Wesensgehalt des Judentums werden. Einen jüdischen Nationglgott könnte huin freilich immer nocil dekretieren: Tein »nltns hätte dieselbe Bedeutung wie der Wotanskultns unserer Germanomanen. Aber wie steht es mit der suggestiven Behauptung: Ter Monismus ist die wissenschaftliche Weltanschauung.? Wie haltlos diese Bebanptnng ist, ern>eist schon der llmstand. das; kaum einer der führenden Philosophen und Naturforscher den! Anspruch des .'daeckelschen Monismus anerkennt, die einzige wissenschaftliche Weltanschauung zu sein. To sebr auch die geistig führenden in ihren Grnndanschaunngen anseinandergeben mögen, in der Ablehnung des Monismus sind sie einig, »iann man diese Einsliinmigkeit wirklich nur ans Böswilligkeit, auf eine beimlicke Berschwörnng znrückführen? Tder gar auf mangelnde Kenntnis der gegebenen Tatsachen-? Tollten Männer, wie beispielsweise Wnndt. Eucken. Bergson, Haines, Cohen, Joel, Timmel, A'ickert wirklich Ignoranten.sein gegenüber einem Haeckel.und einem Tstwald? Und sollten Naturforscher, wie Triesch, Bunge, von Uerküll, Neinke. Nanisay-, die auf biologischen, botanischen und chemischen Gebieten hervorragende Leistungen aufzuweisen haben, sollten sie und viele ihrer andern Tachgenossen, die in scharfer Weise den Monismus ablebnen, der Unwissenschaftlichkeit geziehen werden können? Tiefe Arage stellen, heistt, sie verneinen. Es müssen wohl Gründe tieferer, sachlicher Art vorliegen, die es dielen Männern unmöglich machen, sich zum Monismus zu bekennen. Es must doch wohl einen iachliätcn Grund baden, wenn man den Monismus als Weltanschauung oder als Religion der Halbbildüng bezeichnet! Lder wenn ein v. Uerküll, ein -'danpwertreter der modernen erperimentellen Biologie, sich ui schreiben bemüstigt siebt: „Bon vielen Teilen ist den Biologen verdacht ivorden, dast sie sich der Ausbreitung des pseudo-wifsenschaftlichen Materialismus nicht widersetzten. Aber das war gar nicht ihres Amtes, auch hätte es wenig genützt, gegen die allgemeine Masseninggestion aufzntreten. Tas Volk glaubt eben heutzutage an Haeckels Welträtiel, wie es früher an den Katechismus. glaubte. Man glaubt, im Besitz einer ewigen Wahrheit zu fein. In der Tat weist man als Monist alles: Wie die Welt entstanden ist, wie -sie untergeben wird, was die Tiere und Pflanzen ihrem Weien.nach für Tinge sind, dast es keine Unsterblichkeit, keine Freiheit gibt — kurz, wie es auf Gottes schöner Welt zugebt, ganz natürlich noch ewigen pbhsikalischen Ge-