Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 3 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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mchl immer mehr gefunden wird, erziehen: zur Bescheidenheit. Wir wollen lernen, immer lernen; nicht nni zu bekennen: „Wie Huben wir es so herrlich weit gebracht!", sondern wir wollen zu der Bescheidenheit kommen: „Zwar wissen wir nur wenig; doch möchten wir gern recht viel lernen!" Wir wollen unbedingte Wahrhaftigkeit, wir wollen restlos die Folgen ziehen und Sen Konsequenzen ins Auge schauen, die diese oder «ne Erkenntnis mit sich bringt. Glücklich Ser Veiler eines Gehilfenvereins, der selber [nicht viel weiß, wie ich, der auch noch manches lernen kann, und dem es daher nicht schwer wird, recht bescheiden zu sein. 3a kann er seinen jungen Freunden ein gutes Borbild sein. Wie wollen wir das erreichen? 1. durch Vorträge, 2. durch Tebntten und 3. durch Besichtigungen sozialer Einrichtungen. Turch Vorträge wollen wir unser Wissen vergrößern. Es ist niän leicht, den rechten Mann für einen Vortrag zu bekoinmen, wenn auch viele sich dazu melden. Es müssen Leute sein, welche große Kenntnisse Haben und der 3ache mittig, gewachsen sind. Eigentlich kann man Hier, keine Dilettanten brauchen, es sollen eben positive .Kenntnisse und Tatsachen gegeben werden. Man kann nicht einen solchen zum Vortrag krauchen, der sich seine Kenntnisse erst aus Büchern zusammen ichr> ibt, sondern es niüssen solche sein, die darüber und darin srebe», die deshalb auch wirklich fähig , sind, objektiv zu urteilen. Wir dürfen i nsere Gehilfenvereine nicht zu einem Tummelplatz stir alle möglicher reifen und unreifen Anschauungen machen. Wir wollen uns nicht hin und her .zerren lassen von allerhand 3chwävmern und Ideologen, sondern wir wollen aus dem Munde erntter »mb bewährter Männer uns in die wichtigsten Lebensgehiere einnihren lassen. Und noch eins: UnferK Gehilfenvereine — verzeihen 3:e Seit stolzen Ausdruck — tollen eine Art Volkshochschule bilden, sie dürren Nicht zu einem Kampfverein wider irgend ein Laster, resp. für irgend eine Tugend werden. Ick [nehme zivei Beispiele. Alle zwei Jahre haben >vir[ von irgend einem ernsten, bedeutenden Arzt einen Vortrag gegen Sie Unzucht retp. allgemeiner über das geschlechtliche Veben.- Hier wollen wir die imbedingte Wahrheit hören. Jede Brüderie. die ebenw schlimm ist wie die Unsittlichkeit selber, liegt uns kern. Es versteht sich von selbst, das; meine jungen Freunde mit gemannter Ausmerksamkeit ilnd großem Ernste zuhören. Nun kann es tebr wohl sein, daß der eine oder andere von ihnen, gerade durch dieien Vorrrag angeregt, ück den Bestrebungen des sogenannten ..weißen Kreuzes", den 3ittlichkeitsvereinen. persönlich .qnschließt, un'er Verein alssolcher ist aber nicht ein Kanwwerein gegen die Unzucht. das ist nickt seine Aufgabe und sein Wesen. Das will er gar nickt. r— Cber wir hören einen Vortrag gegen den Alkohol, bester einen gegen den Mißbrauch des Alkohols; es ist so schwer, einen ernsten Kämmer gegen diesen 3ckaden unseres Volkes zu finden. Sei: nickt sanatinert über das Ziel hinausschießt und nun so oft das Gegenteil erreicht von dem, was er will. Immerhin.-es kann sein und ist oft genug vorgekommen, däß sich der eine oder andere aus unserm Kreise mit aller Entschiedenheit der Abstinenzhewegung anschließt. Wer könnte ück mehr darüber freuen als ich? Aber der Gehilfenverein