Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 3 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 77 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben unserer Jugend. Was. aus dem einzelnen jungen Manschen später wird, steht nicht in unserer Hand; mag denn wirklich aus. unseren Gehilsenvereinen der eine oder der andere sich zum Anschluß an die -Sozialdemokratie bewegen lassen, jo könnte ich es persönlich bedauern, denn er wurde sich innerlich, zumal in der Gesinnung, weit von mir entfernen; aber ändcrn kann ichs eben nicht. Wenn nun auch wirklich einige sozialdemokratisch gesinnte Elemente aus unseren Jugendoereinen hervorgingen, diese aber später positiv arbeiten -und nicht nur schimpfen, 'diese aber Achtung haben auch vor ihrem Gegner und nicht in pharisäerischem Hochmut sich seit st überheben; diese aber nicht mit einzeliitzn Schlagwörtern und Phrasen um sich werfen, sondern wahren Sozialismus, das ist Brüderlichkeit, erstreben;-einer für alle und alle für einen, wir wollen sein ein einig Volk von, Brüdern — ich sage, wenn wirklich einzelne solche sozialdemokratische Elemente aus, unseren Verein! n hervorgingen, so hat auch noch nach dieser Richtung hin unser Berlin dem Vaterländ einen großen Dienst geleistet, vielleicht einen größeren, als wenn j wir künstlich zu irgend einer Partei erziehen refp. dressieren wollten. tlnsere Gehilfenvereine sollen „Lcrnvereine" sein; sie unterscheiden sich ganz bewußt von den Lehrlingsvereinen. Ter Lehrlingsverein soll bewahrenden Ehara!ter haben, soll auf Herz, Seele, Gemüt des Menschen gerichtet sein, Gnnütswette aurlösen, aber nicht eigentlich bilden. Der Gehilsenverem ist in gewisser Beziehung eine Fortsetzung des Lehrlingsvereins, dennoch nicht Nur quantitativ, sondern auch qualitativ von ihm unterschieden. Wir wollen lernen, immer nur lernen. Unser Grundstatut ist daher: „Wir wollen die bestehenden Verhältnisse in Staat, Kirchp und Gesellschaft möglichst objektiv kennen lernen!" Wir wolletz Aufklärung geben; aber nicht Auf- . klärung, die überall ein Fragezeichen setzt | und deshalb vielmehr verwirrt, als erklärt und festlogt, sondern wir wollen die jungen Leute ' hineinsühren in die verschiedenen Gebiete des Wissens. Freilich wollen wir nicht der Fortbildungsschule gleichen und ihr Konkurrenz machen, etwa Sprache, Stenographie msw. lehren, sondern wir wollen den jungen Leuten andere Gebiete des Wissens öffnen, Weltanschauungsfragen mit ihnen besprechen und Lebensrätsel kennen lernen, und zwar wollen wir das alles tun in möglichst objektiver Weise. Ganz objektiv kann keiner sprechen, aber der Vortragende muß den guten Willen und das Verständnis haben, objektiv zu sein, unbedingt»gerecht, und nicht für seine Sache, auch wenn er noch so überzeugt'davon ist, Propaganda machen. Wir se ber wollen immer wieder die Erkenntnis haben, wie schwer es ist, sich ein Urteil zu bilden. Unsere Arbeit bedarf daher weitgehender Gründlichkeit. Wenn ich aber vorhin sagte, wir seien vollkommen tendenz os, so muß ich hier eine Einschränkung machen. Wir haben freilich ei >e Art von Tendenz, nämlich den Kamps gegen die Phrase, gegen die nfame Phrase. Tie Schlagwörter und Phrasen haben in der Welt schon mehr Unheil angerichtet „als Tolch und Gift in Mördershänden". Man sollte auf diese Phrasen eine Steuer legen; die würde viel Geld einbringen. Wir wollen zu unbedingter Wahrhaftigkeit, zu: Wahrheitsliebe, zur Tüchtigkeit und vor allem zu der echt deutschen Tugend, die heute in der Jugend