Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 3 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4926451-6352291-6352378--0919-4927033- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
70 Wohl isl Der.Radauanrisemitismus geschwinden — man iü beute taulii noch auf Der 3traße und an sonstigen öffentlichen X,rten antiseinilischen Rempeleien ausgesetzt —,■ auch Der politische Antisemitismus ist offensichtlich im Schwinden begriffen, aber es wäre eine verhängnisvolle Täuschung, wollte inan Deshalb meinen. Die Gefahr fei beseitigt. Fm Gegenteil, sie ist Dringender als je. Denn unsere Sei »De haben Die offen ausgesprochene unD überall betätigte Absicht, Die sogenannten staatserhaltenden Parteien unD aste Volksschichten antiieinitisch zu 'Durchsetzen, uns Nicht nur unserer gesellschaftlichen unD staatsrechtlichen Aitspriiche berauben, sonDern Direkt Die quellen unserer wirtschaftlichen Cristen; zn verschütten. 3o ist Denn Das ,Kampfgebiet gegenwärtig gröster als;n :rgenD einer früheren Zeit. Ta ist zunächst Das unendlictie 5elD einer mehr inneren 'Tätigkeit, wo eine ungemein wichtige Arbeit geleistet wirb, von Der nur Der kleinste Teil Der Außenwelt etwas eMbn. oii erster Linie Das Wirken Der Reclitsschutzkommission. Wo Der einzelne' Fnde als FuDe gekränkt wirD, Da kann er sicher sein, bei Dieser Abteilung Des Zenlralvereins Durch Rat unD Tat in Der Verfechtung seines Rechtes unterstützt zu werDen. Ter Rechlsschutzkominission liegt auch Die Verfolgung Der in Der antisemitischen Presse immer ibieDer sich zeigenden Beschimpfungen unserer Religion unD religiösen Einrichtungen ob? Es ist Dies jedenialls Der unerfreulichste Teil ihrer Tätigkeit, Denn wer reicht gerne Anzeigen bei Der Staatsanwaltschaft ein? Aber — „es kann Der Beste nicht in Frieden leben, wenn es Dem bchen Rachbarn nicht gefällt". Unsere Selbstachtung gebietet es, nicht zu DulDen, Daß unsere Religion Der frechsten Verleumdung ungestraft preisgegeben werde. Was würde Dem ouDen geschehen, Der Die wahnsinnige Treistigkeit besäße, öffentlich;n erklären. Die christliche Religion lehre Den Mord, Den Betrug. Den Meineid nsw.? UnD es ist nicht Rache, Die uns zu jenem Vorgehen treibt: nimmt man nämlich Den antisemitischen Zeitschriften Die Mög-- lichkeit, Durch jene maßlosen Schimpfereien Dem niedrigen Geschmacke ihrer Leser zu schmeicheln, so werden sie jenen bald langweilig und verlieren ihren agitatorischen Reiz. Tas hat eine langjährige Erfahrung Den .üennern Der Verhältnisse klar gezeigt. Tie früher so große Zahl Derartiger Preßerzeugnisse ist Denn auch erheblich kleiner geworden, und Der Ton ist weniger roh und aufreizend als ehedem. Taß hier freilich noch sehr, sehr viel zu bessern ist, kann nicht bestritten werden. Es ist unmöglich, die Fülle der Angelegenheiten, welche von dem Vorstände Des Zentralvereins.und seinen Organen bearbeitet werden, auch nur annähernd zu beschreiben. Wie sehr sich schon jetzt unsere Glaubensgenossen daran gewöhnt haben, alle ihre Sorgen dem Zentralverein anzuveptrauen, dafür möge als charakteristisches Beispiel das naive Ansinnen eines Mitgliedes dienen, welches bat, der Verein möge ihm Doch einen Orden verschaffen! Besondere Aufmerksachkeit wird den in den Schulen seitens ein- >elner Lehrer und Mitschüler vorkommenden antisemitischen Ausschreitungen geschenkt, und es ist nur zu bedauern. Daß häufig noch