Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 3 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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69 von putzen.gelesen wird, also die Ansichten unserer christlichewMitbürger wenig beeinflussen kajün, bedarf keiner Ausführung. ' Wohl versuch: ö«r Zentralverein auf die letzteren dadurch einzuwirken, daß er regelmäßig an viele angesehene Christen und Behörden seine Schriften sendet, allein das firjb eben nur Kampfmittel — eine machtvolle Waffe ist die jüdische Messe nicht: ■! - \ lEine antisemitische Unwahrheit ist es endlich auch, daß unß. unbeschränkte Reichtümer unterstützen. Die jüdische Bevölkerung ist im" Durchschnitt nicht reich, und d^r beste Beweis für das Fehlen größerer Mittel ist die ewig wiederkehrende Klage aller Kampfesorganisatiionen — besonders auch des Zentralvereins — über Geldmangel. Hätten ° die Antisemiten recht, wäre! die Opferfreudigkeit unserer, jüdischen Mitbürger so groß, wie es dxr Wichtigkeit des erstrebten Zieles en,lspricht, dann könnte der Kambf ganz anders geführt werden! —: Wir haben in Wirklichkeit nur eine Waffe, das ist unser stnarrfechtbares Recht, nur eine Waffe, aber eine unbesiegbare, denn so gewiß wie trotz aller Finsterlinge die Kultur der Menschheit' fortschreitet, so gewiß wird schließlich „Recht doch Recht bleiben". Es. komm! nur darauf an, daß §wir diese unsere einzige Waffe richtig gebrauchen. Und weil wir dhs Recht haben und nur für das Recht kämpfen, deshalb darf die Art, wie wir kämpfen, auch nur auf Recht und Wahrheit beruhen. Lb es uns günstig oder ungünstig, klug oder nicht klug erscheint,' das, was wir tun, muß stets im Rahmen des Gesetzlichen liegen, und das, was wir sagen, muß logisch unanfechtbar, muß hieb- und stichfest iein. „schädliche Wahrheit ick ziehe sie vor dem nützlichen Irrtum, Wahrheit heilet den Schmerz, .den sie vielleicht uns erregt.!' Dieies Wort Goethes pqßt vornehmlich für unseren Kampf. "Mit', dem blanken Sckilde der Wahrheit ausgerüstet, müssen wir den Feind in seinen lügenerfüllt'' i Schlupfwinkeln aussuchen, ihn ans Licht der Leffeiulichkeit ziehen und im Lichte der Oeffentlichkeit so lange feine llngerecktigkeit, seine widersinnigen Behauptungen beleuchten, bisj wir die maßgebenden K^se überzeugen, bis stiir endlich auch bei unteren ckristlicken Mitbürgern Gewr^und Verständnis für das Gerechte unserer Forderungen finden. Tenn glücklicherweise ist es doch nur eine kleine Zahl von Menschen, welche bewußterweise aus Haß und Neid gegen uns dos Unrecht wollen, die weitaus meisten unter den Christen sind nur unsere Gegner, weil sie uns, unsere Art nickt kennen und deshalb glauben/ zum Wohle des Vaterlandes zu handeln, wenn sie uns vor der Gleichberechtigung ausschließen. Zahllos sind die Wege auf denen der Antisemitismus unser Recht, ja unsere Existenz zu untergraben sich müht. Zahllos und wechselnd wie die Vorkommnisse des Lebens müssen deshalb auch die Gegenmittel sein, welche wir im Kampfe gegen ihn anzuwenden haben. Das ist es eben, was die ungeheure Arbeit bedingt, die geleistet werden muß, die aber auch geleistet werden kann, wenn alle Juden sich zur Verfügung der Kampflcitung stellen und mitkämpfen, jeder nach seinen Kräften llnd seinen Fähigkeiten.