Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 3 (1.3.1914)
- Date
- 1914-03-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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(>S Ter Vollständigkeit halber sei noch der Verein zur Abwehr des Antisemitismus erwähnt.^ Er gehört nicht eigentlich hierher, denn er ist keine jüdische Gründung und wird auch nicht durch Juden, sondern durch namhafte Christen geleitet. To dankbar wir das Eintreten solcher für uns stets begrüßen, verkennen mir doch nicht, daß eine wirkliche, dauernde Hülfe uns nur werden kann, wenn wir selbst mit unermüdlicher Zähigkeit den Kampf durchfechten. To kann man denn, ohne die Grenzen der Unparteilichkeit z>l verletzen, feststellen, daß die bei weitem wichtigste Zlampforganisation der Zentralverein deutscher Ttaatsbürger jüdischen Glaubens ist. Er verdient dieses Urteil nijckt nur wegen der überragenden Zahl seiner Mitglieder — zu ihm bekennen sich jetzt mehr als 37 000 Einzeljuden —, sondern k>or allem wegen der zielbeivußten, konsequenten Art, in der er seit etwei 20 Jahren in immer wachsendem Umfange den Ztampf um das Recht fiibrt. Auf ihn treffen daher vornehmlich die Tckilderungen zu, die in folgendem über die Methode des Abwehrkampfes gegeben werden. Man sieht, die Zahl der Kämpfer gegen den Antisemitismus ist ziemlich groß; im Interesse der.Einheitlichkeit des Vorgehens wäre vielleicht sogar weniger mehr. — Um so kleiner ist die Zahl der uns zu Gebote stehenden Waffen. Wir können nicht, wie'unsere christlichen Mitbürger, große Massen ins Zeld führen, denn die jüdische Bevölkerung Teutschlands beträgt bekanntlich nur ungefähr ein Prozent. Wir haben auch keine einflußreichen Fürsprecher: es ist eins der von den Antisemiten böswillig ersundenen Märchen, wenn sie tagtäglich behaupten, die Juden besäßen das Thrdes Kaisers, sie wären seine Ratgeber. Tie wenigen CUiöcii, welche der Ehre gewürdigt werden, e bin und wieder in petiönlichen Verkehr mit dem Monarchen zu treten, mögen vielleicht! in handelspolitischer oder wissenschaftlichkünstleriicher Hinsicht einigen Einfluß haben, chaß sie aber je gewagt haben tollten, für die gekränkte Ehre ihrer jüdischen Brüder ein Wort zu sprechen oder daß gai der Herrscher und seine Regierung auf solche Vorstellung hören würden, davon ist wahrlich noch nie-das Geringste zu spüren gewesen, ^iri Gegenteil — es ist eine bedauerliche, aber unbestreitbare Tatsache, daß jene Herren, wenn sic überhaupt bei uns zu linden sind, so jedenfalls nicht in den Reiben der Vorkämpfer. — . Es ist ferner nickt wahr, daß uns die „sechste Großmacht Europas", die Presse, zur Verfügung steht, eine Behauptung, mit der die Antifemiken ebenfalls die äst Millionen christlicher Teutscher zu schrecken jucken. Tie meisten des großen Tageszeitungen verhalten sich durchaus ablehnend gegen die Erörterungen jüdischer fragen, insbesondere muß es schon arg kommen, wenn sie einmal wirklich energisch Protest gegen-das uns fortgesetzt von den Verwaltungsbehörden zugefügte Unrecht erbeben sollen. Wir erkennen dankbar an. daß in neuester Zeit öfter einige viel gelesene liberale Zeitungen für uns eine Lanze einlegen, aber davon, daß sie beharrlich für uns streiten, oder daß gar eine Redaktion sich von uns irgendwie bestimmen läßt, kann keine Rede sein. Wir haben nur die jüdische Presse, und daß diese fast nur