Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 2 (1.2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 48 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Diese als Ausnahme bekämpfte Erleichterung erweisr sich bei vorurteilsloser Betrachtung nich! nur als notwendig, sondern auch als gänzlich unschädlich. Es ist töricht, anzunchmen, daß die Geschäfte, die einige stunden am sonntag arbeiten dürfen, dadurch einen Vorsprung vor der Konkurrenz erlangen. Man darf doch nicht vergessen, daß diese Geschäfte' dadurch ungemein benachteiligt sind, daß sie volle 24 stunden zu spätkommen, Bon einer Beeinträchtigung des Rubcbcdürfnisses des Personals kann noch weniger die Rede sein. Die Angestellten dieser Geschäfte laben andertbalb Tage in der Woche Rübe und sind dadurch viel günstiger gestellt als dar- Personal der 'anderen Geschäfte. Von welcher Leite man dieses Problem auch anfassen mag, cs erweist sich, daß die Vorlage durchaus die Kabn der Gerechtigkeit und der sozialen Notwendigkeit bcschreiter. Wir leben in einer. Zeit, wo dit Toleranz Gemeingut aller modern denkenden Menschen geworden ist. Die wabrc Toleranz aber besteht nicht darin, daß man die Leute,.die anders denken als wir, als Opfer ihrer Ueberzeugung zugrundcgcben läßt. Eine gerechte und kluge Gesetzgebung muß dafür sorgen, daß im. Staate einem seden Bürger die Möglichkeit gegeben wird, nach seiner Ueberzeugung zu leben. Nur dadurch wird die J-reude am Staate gehoben. __v Citeratur Nationalismus. Unter dieser Ueberschrift besprach im Dezemberheft der „Mitteilungen" G. -W. zwei Neuerscheinungen, die in jüdisch-politischen Kreise» berechtigtes Aufsehen erregt haben. . Das Referat erscheint mir jedoch so einseitig, in vielen Punkten auch fachlich unrichtig, daß ich eS nickt ohne Widerspruch lassen möchte. Nich! gerecht wird der :>!eferenr der von Julius Kaufmairn in Efchivciler herausgegebenen Zeitschrift „Tie Frei statt" und insbesondere der von thm vertretenen neuen Richtung dcS „A l l j u d e n t u m s". Ter Referent verwechselt in seinem Artikel fortioährend das Programm der Zssitschrift -mit dem Programm der darin vertretenen Bewegung. Zudem beurteilt er das Alljudentum lediglich nach dem kurzen Artikel im 1. Heft der Zeitschrift, der eingehend kommentiert wird; und doch ist gerade, wie es bei einer erst im Werden begriffenen Bewegung verständlich ist. in den späteren Nummern ihr Programm klarer hervorgetret«». Das Alljudentum geht davon aus, daß die Judcnfrage stehe und falle mit dem Schicksal der großen kompakten Jude n m a s s c n, besonders in Osteuropa und Amerika. Die dringendste Aufgabe bestehe darin, diese Massen in ihren wirtschaftlichen und politischen Positionen zu festigen und zu stärken und. sie in ihrer historisch gewordenen Eigenart, insbesondere in ihrer jiddischen ä rg o n -) K u I t u r zu erhalten. Mit dem Zionismus, aus dem das Alljudentum hervotgegangekl ist, und mit dem es die nationaljüdische Grundanschauung teilt, ist das Alljudentum am nächsten verwandt, «gerade durch einen Vergleich.mil den fest umrissenen Bestrebungen des Zionismus läßt sich daher-'am besten das Programm der jüngeren Bewegung di>rftellen.! Es tritt dem Zionismus insbesondere in 3 Punkten! entgegen. Zunächst verwirft es den H c b r a i s m u s, der etwas Gekünsteltes, Polkssremdes darftxlle, da das Hebräische auch bei den Ostjuden nur die R e l i gi o n s spräche bilde, die Volks spräche sei dagegen ausschließlich das Jiddische, das durch die hebraistiscken Tendenzen zurückgedrängt werde. Ebenso bekämpft das