Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 2 (1.2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- Seite 49 (sequence 17)
- Language
- German
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über ■ uns lu'eil' bic allen >110= -ihre - am» -I- 49 — Alljudeuium die einseitige P a l^i st i u a a r b e i t, da sie nur eincnt winzigen Bestandteil der Judenheit zugute käme, dagegen die zur Unterstützung der großen ostjüdischen Massen i rforderlichen Mittel absorbiere. Jnsbcson dere wendet sich das Alljndentuni gegen die zionistische „V e r e l e n d u u g st b e o r i <?'. welche die Möglichkeit eines gesunden jüdischen Volkslibons außerhalb Palästinas verneint. Diese Theorie, die geslissentlich die Symptome aursteigendcr Entwicklung übersehe, sei schädlich, da sie von der positiven Gegeuwartsarbeit abhalte. Es ist nicht zu leugnen, daß die Kritik, die neuerdings von der zimisstischen Presse vollständig totgeschwiegen wird, wertvolle neue Gesichtsp mkte hervorgcbracht hat, und escrsch« int nicht angebracht, sie mit dem Vorwurf „persönlicher kleinlicher Gehässigkeit" abzutun. Aber auch sonst verdient die „Freistatt" grüßte Beachtung, da sie die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Lage des Lstjudeulums, das'bei so wenig bekannt ist, eine uneiwliche Fülle von Material bringt und sie mebr als irgend eine andere jüdische Zeitschrift Deutschlands - moderne jüdische Literatur pflegt. Deshalb kann die „Freistatt" dcncn. welche sich für jüdische Fragen interessieren, empfohlen werden. . besondere sollten die Jugcndvere ne nicht versäumen, die Zeitschrift für Bibliotheken und Lesezimmer an^nschaffen. Nicht minder einseitig ist di! Beurteilung, die der Referent demj^ melbuch des Vereins Bar Kochbn in Prag „Pom Judentum" zuteil werden läßt. Diesmal erscheint mir die Bl urtcilung zu güüstig. Zweifellos cnthül! das Buch eine Reihe wertvoller Beiträg e. Jedoch kommt in dem Buche auch eineRichtung zu Wort, die in den Kreisen unserer Bewegung.wohl nur wenig Asteickennung finden wird. Der Referent snicht nur von Bestrebungen zur „Erneue :ung der jüdischen R e l i g i o s i t ä t", die sich zwar von der „offiziellen Religion" ' abwenden, aber in dem .,unterirdischen Judentum" in der Mystik des Chassidismus einen Ersah suchet. Daneben kommen aber Mitarbeiter zu Wort, die die „Erneuerung des I u-d e n t u m s" dahin verstehen, daß an die Stelle der jüdischen Religio t der jüdische Nationalismus treten solle. In der klarsten und prägnantesten Formulierung hat Moritz Goidjteiu, der durch seinen Kunstwartartil el bekannt geworden ist, diesen Gedanken ausgesprochen. Er sagt: „linse, Zionismus begnügt sich nicht damit, dem Volke seine Heimat zu geben, fordern er will .... mit dem Lande das Buch ersetzen. Tie einigende Wirkun,, die während 200(1 Jahren „d a s Br ch" ausgeübt hat. soll künftig „das'Land" ausüben." Au anderer Stelle sagt er noch klarer: „Wenn alle Welt unreligiös . . . , werden will, warum .sollen wir Juden, wir ehrgeizigen Euiopäer, beim lieben Gott und seiner Moral, verharren? Aber freilich, diese Konsequenz darf der Staatsbürger jüdi chen Glaubens nicht ziehen, solange er noch ein Judentum erhalten will: >enn eines außerhalb.des Glaubens kennt er ja nicht. Wir dagegen ew klären das Judentum, für das unsere Väter l e l> t e u/l s t t e n und starben, für tot. Air dürfen es getrost; denn ist gleich das Judentum rot: die Juden teben." So kraß und pietätlos diese Borte sind, sie werden noch übertroffen turch die Aeußerungen Adolf Böhms, der nicht nur behauptet, das Gefühl für persönliche Würde sei nie im Judentum vorhanden gewesen, sondern 'christianisierende Tendenzen vorträgt, die man vielleicht von einem ckwistl'chen Missionar, niemals aber von ein^rn zionistischen Führer erwartet hätte, hier handelt es sich um nicht einmal vereinzelte Verirrungen, die nicht cntschu digt und beschönigt werden sollten. : Rechtsanwalt Karl L ö w e u st e i n, Aachen.