Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 1 (1.1.1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 der Götter zum Inhalt habendes Religionen trat nun die.jüdijche Religion auf und lehrte die Einzigkeit und Einheit Gottes. Die Abweichungen von der ursprünglichen, ins Ungewisse fließenden Idee Gottes, die inzwifctien durch den Polytheismus .eingetreten waren, führte sie durch ihre Lehren n das frühere Flußbett zurück- Sie wußten von Gott nur zu berichten, daß er — weil Gott — in allen Dingen dem Menschen und allem anderen überlegen sei, daß er der Herr des Universums wäre und als fofdöpr gütig und gerecht — dann selbstlos, nur zum Nutzen der Menschen enthaltener das All. Sonst aber sagte sie, der Mensch könne sich von Gott keine Vorstellung machen und tegehe geradezu eine Sünde, so er sich Mott als irgend eine Gestalt den!e. Wie sieht nun der Gottesgeyanke im Christentum aus? Hat er auch dort das Zeichen der Unbestimmtheit, der ursprünglichen Einheit', und Einzigkeit? Ganz gewiß nicht! Die Einheit und Einzigkeit Gottes wird mit der Geburt Christi aulsgehoben. Man läßt Gott durch Jesum Mensch werden, damit sich die Menschen eine bestimmte Vorstellung von Gott machen, damit der Unendsiche in endlicher Form erfaßt werden kann. Tie „Dreieinigkeit" Gcsttes, die die Einheit Gottes aber njchr seine Einzigkeit lehrt, erhält im Katholizismus einen weiteren Zuwachs durch die Verehrung der heiligen Jungfrau und der anderen Heiligen. Ter ursprünglich einzige Gott der zunächst zu unzähligen Göttern, dann vom Judentum wieder in seine ursprüngliche Macht eingesetzt . wurde, sieht im Christentum wieder Helfershelfer neben sich, die in gleichem, zuweilen noch größerem Maße'als er selbst verehrt n erden. Da tritt mit Luther plötzlich eine Teilung im Christentum ein Ter Protestantismus lehnt den Gläuben an die Heiligen ab und bi gnügt sich mit dem Dogma der Dreieinigkeit. Äber auch dieses Dogma kann sich nicht auf ewig halten, und Nso haben wir es in unseren Tagen schon oft erlebt, daß von liberal-protestantischer Seite erklärt wird. Je us sei nicht der Sohn Gottes, sondern nur das! „Vorbild eines Menschen, das ich in meine Gesinnung aufnemnen muß, um mich nach ihn, zu r 'chten" — mit anderen Worten ein Prophet, ein Mensch. Mit dieser Auffassung aber hat das Christentum in Wirklichkeit sein Ende erreicht, stellt und fällt es doch mit der Persönlichkeit seines Begründers. Das: ist aber der natürliche Weg, den das Christentum nehmen muß. Ist es, dach das Schicksal aller auf mehreren Dogmen ruhenden Religionen, daß lsie ein Dogma nach dem anderen verlieren und schließlich bei der Uebeßwugung landen: „Wir glauben nur, doß es irgendein höheres Wesen tzibt, dgs die Welt regiert: wie aber da- Wesen sei. wissen wir nicht. Ge- . wißheit aber in der Ueberzeux ung vom Dasein Gottes und öjtc Unbe- stimmtheit vom Wesen Gottes selbst bilden die Grundlage einer^.inziaen Religion — der jüdischen.! i