Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 1 (1.1.1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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9 T Die jüdische Religion - Von Rabbiner Dr. W c I IDeltreligion. imn. Sittlidifcit l)in ein - ,91 11 der Mastsrab, der an das Je reiner ugd höher sind die Wenn eiwas imstande ist, ans seine prüfen und zu bewerten, sy ist die Religic Volk für diese Beurteilung angelegt werden must, die Borstellungen von Gtott sind, die in ihm leben, desto größer' Anforderungen, die cs an sich selbst stellt, im in die Nähe dieses Ideals zu koniinci). Wer in seinem Gott die Vollendung des Guten, des Gerechten sieht, wird sein Tun und Denken stets von der ^rage Abhängig machen: „In welchem Verhältnis stehen meine Handlungen und Pläne ',11111 Guten, zum Gerechten? Waltet in ihnen das Streben nach innigster Vereinigung mit ihm, oder schlagen sie die^entgegengeietzle Richtung ein?" Ireilich gibt es viele, die da glauben, der Religion entraten zu können, indem iie einen anderen shiltunpcrt an ihre Stelle sehen. So, möchten es viele sehen wollen, dast sich das Heiligtum der Religion in einen Tempel' der Musen nmwandle, das; Zlünsl und Wissenschaft zur alleinigen Gottheit erhoben werden, vor deren unendlicher Gröste die Menschen in tiefer Andacht sich beugen. Aber bei aller Verehrung'und Bewunderung der Runst und Wissenschaft kann man ihnen doch nicht den'Erfolg nachrühmeu, sie hätten uns. sittlich vorwärts, gebracht und unser Leben geheiligt, sie hätten in befriedigender Weise .die 'all»;u menschlichen fragen unserer Seele beantwortet. Wo in aller, Welt finden wir die Aussöhnung mit unserem Geschick anders als in her Religion, als in der lleberzeugnng, es gibt eine sittliche Weltordnung, eine Gottheit, die alles Unrecht schlicstlich-überwinden und bestehn wird? Wir können uns künstlerisch ausleben und! wissenschaftlich - vertiefen, ohne hierdurch sittlich größer zu werden. Aber auch das Sittengesetz kann uns nur dann verpflichten, wenn wir seinen Ursprung aus Gott, auf die sittliche Weltordnung zurückfühpen. , Wie kam nun die Religion zu den, Menschen? Verlassen wir zunächst einmal den positiven jüdischen Standpunkt und geben wir zu dem des Naturwissenschaftlers über. Unter/den vielen Antworten, die man aus die Irage nach dem Entstehen der Religion gab. kebrle eine in verschiedenen Variationen immer wieder. Stets hiest es, die Menschen haben ans Iurctit vor den 'Naturgewalten, jdie sie sich nicht erklären konnten, angenommen, es sei da oben! irgendwo ein mächtiges Wesen, das mit den Naturgeivalken dem 'Mensctien Angst einstige. AUxiii, diese Antivort ist hinfällig. Denn wenn die Iurcht vor den Naturgewalten zur Annahme einer Gottheit geführt haben sollte, u> mußte mir dem Schwinden.der Iurcht auch der Glaubehin Gott anfhüre». Aber auch der Versuch, ans dem' Unvermögen der früheren sich das Wesen des Traumes zu erklären, das Entstehen der Religio,1 herzaleiten, -dedeutet nichts anderes als eine Hypothese, die in sich zusammensällt, wenn man bedenkt, das; Träume nie de?Wirklichkeit Schaden brachten. Nehmen wir darum den modernen Standpunkt ein und sagt» wirdas; die Religion das Produkt eines religiösen Genies ist. In diesem Ergebnis mnstte man nämlich notwendigerweise kommen, wenn inan einen jeden Snenbarnngsglauben ablöhnre.! Man lab. da« Religion