Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 5 (1914)
- Issue
- 1 (1.1.1914)
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Bild gefunden für jenes Tenkgefühl, ihn ira. Innersten bewegt. Tie Familie Tuzio Badosir wll sich der Republik Venedig und all den barten Ansprüchen dieser wilden Realität entziehen. Schon der Vater war „ein Weichling im Ge- . bliit" (sagt sein Feind)- „von altem Korn, zu! kostbar zart für eure chZucher- 6ände" (sagt seine Krau) - es ist vielleicht eist und dasselbe. Nachdem Tode des Feldherrn der Republik und »ach tückischest Staatsprozessendie sein Erbe zerkrümeln, flieht die Witwe ganz aus Venedigum sich und den beiden Kinderp fern vom Lärm dieses Weltmarktes zg leben. „Gesund Geborenes liebt sich nicht selbst" — aber diese übcrzarten, welsfeindlich Ligenen sind nicht mehr'gesund: diese Familie liebt sich selbst in eincch tödlichen Grade. Das Gespenst, an den: regelmäßig jede höchste Kultur himnelkt, geht um: Das Gespenst der Inzucht. Tie Schwester Palla? liebt mit der noch ge nz unbewußten Sinnlichkeit des reifenden Mädchens ihren Bruder Stephan, und Stephan, der bewußt voll k'uger Haltung ihr Gefühl leitet, liebt doch im Grunde auch nur! sie. Als Venedig, das kein edles Menschenmatcrial aujgeben will, die beiden wieder an sich reiht — der Gras Barbara de chrazza hilt mit der brutalen hrchnotischen Kraft des genialen Realisten den Sochi auf dist Schiffe, die Tochter in sein Ehcbett — da ze gen sich die beiden der tsüirklichkeit nicht mehr gewachsen. Stephan, Fremdling im Treiben der Vaterstabt, schweift! widerwillig über die Meere ,und schüttet in verzweifeltem Hohw allenl Gewinn ln den Schoß einer Tilge, die er gar nicht kennt. Pallas erwächst an der haßvollen Liebe zu ihrem Manne, nicht zu freier Kraft, sie behält die einschaeidend kranke Liebe zum Bruder sm Bluts und da sich im Gefolge des Grafen d!cr junge Auzio Tuzi befindet — ein Knabe von grenzenlos schwärmender Reinheit, „ein zu guter Musiker, um überhaupt noch ein Musiker sein zu können", und (was siemicht weiß) auch dem Mute nach ihr Bruder, uneheliches Kind ihres Paters — so wird sie zu ihm hingerissen; sic entfliehen beide. Stephan abcv, der. von Meeren heimkehrcnd, eben die ehebrecherische Flucht der einzig geliebten Schwester erspähtspringt-ihrem Schiffe nach iiiS Meer, sebwimmt, ertrinkt. ,., Ter Zusammenbruch der Fchmilio ist entschieden. Aber welch edler, Geist zerstört ward, welch adliges Blut h er verdäich, . das zeigt die Mutter. Laura Badoör, wie sie dem Rate von Venedig, seiner Anklage und seinem Hohn „eine Kraft zum Glück, eine Gegenwart, einst imkere Freiheit" ohnegleichen entgegensetzt/ Tiefe Szene wäre ein störendes Intermezzo, wenn.es sich um die Liebesgeschichte der Pallas handelte. Es handelt sich aber um den Versall einer Families und so müssen wir nach dem Nistdergang der Tochter und dem Sturz des Sohnes die Hcltung der Mutter sehen. Es ist der geistige Höhepunkt des Stückes! wenn der Doge im Namen Venedigs,es ausspricht, warum die Gesellschaft dich cigensüchligen Geist zu Boden drückt: . „danut das Starke, witerkämpfen!, wachse und nicht das Schwache sich zu fühlen lerne in weichlichem Genügen^ sich zur Last; . ■ und uns das B lö des Rmbms zur Fratze machend . . ." — und wenn Donna Laura auch dieses Worten aus dem Zorn der beleidigten Individualität ungebeugte Antwort finhet. Sie sprechen wirklich anenandch vorbei, diese beiden Gewaltigen, sie können iihre Sprachen nicht mehr verstehen, und ehe» weil sie beide ganz Recht und ganz Unrecht haben, ist hier eine wahre Tragödie. Tic Mutter tr tt von der Szene, aber sie bleibt im Bilde; denn nun auf! der einsamen Fischcrinscl wächst die Tachtel zur stolzen überlegenen Kraft des Mutter heran. Sie entfaltet dem,Knaben,idem Brudcr, doch Geliebten gegenüber alle Le:dcnskraft der Mütterlichkeit, sie beschützt ikch davor, die Blutschande zu er-