Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 12 (1.12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 397 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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| " — J97 — Daß tatsächlich die Perspeknve, u iter der der Herausgeber den Zionismus betrachtet, und mit der er die Notwendigkeit und die Eigenart ferner Zeitschrift begrürdet, verzerrt ist, zeigt gerade jetzt wieder eine Neuerscheinung aus einem zionistischen Kreise. Ich mei re „Das! Buch vom Judentum", das der „Verein Jüdischer Hochschüler" in Prag herausgcgeben hat. Es ist eine Sammlung von Essays und Arissätzen namhafter jüdischer Schriftsteller. Es sol dies nicht eine der vielen Wertlosen Enqueten sein, die man so oft schon erlebt hat., Sondern diese Sa nmlung geht von einem Grundgedanken aus. Der Zionismus mutz erst die l^rneuerung des Judentums bringen, muh die Geister von Grund aus uinwandeln. Ter Zionismus ist also ein Kampf. Diesen Kämpfenden, allen denen, dir nach Erneuerung ringen, eine Gemeinschaft zu bauen, ist.der Sijnn des Buches. Es ist eine besondere Gruppe, aus deren Mitte dieses Buchs kommt, die sogenannte „Prager Schule". Der geistige Führer ist Martin Büber-Berli». Sein Hauptstreben ist di« Erneuerung der jüdischen R el i g i ^s i t ä t, die nichts zu tun hat mit 4er „offizsellen Religio n", sondern deren Entwickelung durch die Reihe Propheteit-, Essäer-, Urchristentum, Ehi ffidisnius gekennzeichnetwird. Dieses „unterirdische Judentum" führte stets den Kampf mit dem offiziellen, mit dem „Gestalteten". Dies mutz jetzt endlich die nur ihm gebührende Herrschaft erringen. Daher finden wir in diesem Buche die Vorliebe für Mystik und Kabbala. Das Wertvolle dieser Sairmlung istidas anregende Moment. ' Es sttbt viel Richtiges neben viel falschem und Einseitigem. Es zeigt uns aber lebendiges Suchen und Känstfen. Gegensatz und Einheitlichkeit. Es zeigt bis zur Evidenz klar, dah man im zionistischen Lag fr nicht in Pavteiphrasen erstarrt ist. Am tiefsten packt Jakobs Wassermann in seinem Bcitrcg: Der Jude als Orientale das Problem „Assi ist ilation oder Zionismus" ar, selten ist so tief in hie Psyche des modernen Juden hineingeleuchtct w>rden. In das Wesen indischer Gottesauffassung sucht vr. Hugo Berx mann einzudringen, ein'achtungsvoller Versuch. Aufsehen erregte der Beitrag Adolf Böhms (Wien) wegen seiner recht ungeschickt vorgcbrachten und zum eigentlichen Thema nicht gehörenden persönlichen höchst mißverständlichen Ansichten,übcr Würde im Judentum und christliche Moral, die auf dem Zionistenkongretz einen Angriff von scitey Hermann Stucks hcrvorriesen. Auch (werden seine eigentlichen Ausführungen über „Wandlungen im Zionismus') von weiten Kreisen nicht geteilt. Der beschränkte Raum dieser Zeitschrift i verbietet mir, auch nur andeutungsweise von hen vielen wertvollen Artikeln eines Moritz Gold stein, Gustav. Lanidauer, Or. Nathan Birnbaum usw. zu spreche». Es ist ei» Samfnelbuch, das man lesen sollte, gleichgültig, wie man zu diesen einzelnen Mänstern oder zu dieser Gruppe stehen mag.! Es wird ehrliches Wollen laut, es sqllte Gehör finden. Er fordert in vielen,! sehr vielen Stellen zum Widerspruch, zu scharfem Protest heraus. Wohlan, wo Kamps ist, ist Leben. Freuen wir (uns, datz wir jenseits der kl inlichen ^ageskämpfc um Ideen streiten dürfen. Jeder, der sich mit diesen Buche böschäftixst und sich mit ihm aus-/ einandersetzt, wird sicherlich bereichert werden. G. G. I