Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 12 (1.12.1913)
- Date
- 1913-12-01
- Page
- Seite 396 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 3W — Citeratur Ilationalismus. Bon dem Gedanken ausgehend, daß sämtliche jüdischen - Blätter Parteiorgane sind, l>ic '— ausgesprochen oder »ictn äi» Dienste einer bestimmten Richtung stehen, ist im April diese? Jahres eine tieue Zeitschrift „Tie I r e i - fta t,l" aus den Plan getreten, die niemandem dienstbar sei» will, ein völlig unabhängiges O rgan. Der Untertitel dieses Blattes lautet: „Alljüdische Revue". Ter Herausgeber meint aber iricbt mit der Unabhängigkeit ein Hin- und Herschwanken zwischen den Parteien, kein Slcllungnchmen, sondern er will mit dieser Zeitschrift „neue Wege" bahnen, zu einem A I l j u d c n I u m . zu „einer das ganzc Volk umschließenden Jüdischkcit". Er will da der - im engeren - einen »ampf führen zur Stärkung der westlichen Jüdischkeil, denn die Westjuden sind nach Meinung'des Herausgebers eine dem jüdischen Volksinni entfremdete Bourgeoisie, es besteht eine riesige .Ülusr zwischen ihnen und deni in den Ostländcrn zentralisierten jüdischen Bolkskörpcr, der cin von lebendigen Säften strotzender Organismus ist. -Alle Persuche, die Judenfrage einer Lösung entgegeiizufübren, kranken an einem Uebcl. Sie sind von der Perspektive der „Westler" konstruiert, einer „peripheren .Uaste", die von den wirklichen Wünschen und Träumen des „Volkcs" keine Ahnung haben. Ter Zionismus, der den ersten Schritt zu einer ichrklichen Losung tat. der, vom Gedanken eines einheitlichen jüdischen Volkes ausgebend, die Heimkehr ins Judentum vor der Rückkehr ins Judenland verkündete, ist bei diesem Schritte stehen gcblieben.^odne ihn konsequent durckzuführcn. ist er dock, auch von Westjuden, von Outsiders, geschaffen. Er bat, anstatt die M'luft zwischen den Westlern und dem „Volke" zu überbrückcn, anstatt zu diesem lebendigen Volkstum heimzukebrcn, dieses Diasporajudentum für tor erklärt und cin „Zukunflspbcmrom" errichtet. Er, will, weil er die Diaspora und jegliches wahre Volksleben im Collis verneint seine Voraussetzung, die nach Ansicht des Herausgebers der Jrcistatt lediglich in dem Hiru der wesljüdischcn bourgeoisen Intelligenz entstehen konnte und einen fundamentalen Irrtum darstellt,, nicht sehen, wie sich im „Volke" lebendige Keime regen; von cinxr irrigen Voraussetzung aus Kar er kein Verständnis für die Sprache dieser Volksmaffen, für das Jiddisch:. Er ist daher nicht mehr der unbeirrbare Sachverwalter des ganzen Volkes, Er ist Partei, er ist Richtung. So will der Herausgeber, der selbst früher organisierter Zionist tvar, diese Lücke aussüllen, will an der Herausbildung eines Alljudentums arbeiten, will obnc Voreingenommenheit die Bausteine sammeln.- Eine Reihe wertvoller Kräfte, fast sämtlich aus dem zionistischen Lager und seiner. Peripherie, sind gewonnen, die, obnc auf cin augenblicklich herrschendes Dogma verpflichtet zu sei», die-jüdischen Probleme anpacken können. Ta wird über das Wesen jüdischer Dichtkunst debattiert von Julius Bab, Ludwig Strauh, Arnold Zweig, da rollt Matthias Acher die -Jrage des Jiddischen aus, zionistische Kolonisaiionsproblcme und wirtschaftliche Jragen werden von Trietsch, Rubinstcin und Lewin erörtert. Dann wird hier jüdische Dichtung, hauptsächlich o st j ü d i s cb c, vermittelt, die modernste ivestjüdischc l.Brod, Else Laskcr-Schülcr usw.s kommt zu Wort. Im ganzen hat man den Eindruck, als könnte diese Zeitschrift viel bieten, wäre nicht auch hier,ein fataler Nebengeschmack. Denn ist es nicht wiederum eine Einst itigkeit, die doch gerade bekämpft werden soll, wenn Ostjudentum als das Jüdische, als das Alleinseligmachende bingestcllt wind, ist nicht überall ein Unterton persönlicher kleinlicher Gehässigkeit in manchen Kritiken zionistischer Institutionen. Sind führende Männer der zionistischen Bewegung wie Lewin, Tschlenow, Lippe, Reines usw. eine „Periphere Kaste westjüdischer In» tclligenten"? l