Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 11 (1.11.1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 355 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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355 — Iieiimijdwi Kultur gegenübersand, die es bekämpfte. . . . sie läßt siw!>em selbständig gewordenen modernen Leben nicht mehx aufdrängen." . Ter Erlösungsgedanke konzentrierte sich im Lauf der Geschichte des Christentums in dem Glauben an eine besondere Bedeutung des Opfertodes Christi. Christi Tod wurde das große, für unsere -Zünden dargebrachte Opfer, er bekam stell lertretenden Wert und Bedeutung." . . . „Unser an Kants Ethik gebildetes moralisches Empfinden aber sagt uns mit aller wünschenswerter Deutlichkeit: „Die Schuld, die-du begangen, die kann kein anderer dir abnehmen und für dich büßen, kein Mensch und kein Gott"." So oußert sich Bousset in seinem Buche „Das Weien der Religion". Seine Worte bedeuten einen entschiedenen Bruch mit dem historischen Christentum und eine Rückkehr zum Judentum, Das gibt Bousset nicht zu. sondern er beruft sich auf die ursprüngliche Lehre Oeiu. Doch das ist im E runde dasselbe, denn in dieser Frage besteht zwischen dem Evangelinni und 'der Bibel kein Unterschied. „Ihr sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." Das ist nicht einmal eine Variation, sondern einfach eine Wiederholung des pentateuchischen Gebots der Heiligkeit. Die Originalität Jesu offenbart sich nicht in einer neuen Beurteilung der Bedeutung des Sittlichen, darin ist er vollkommen Jünger der Propheten, sondern "in einer durchaus persönlichen -Schätzung der Welt und des einzelnen Menschen. Er hat die Menschen gelehrt, Leben, Ehre, Freiheit und Besitz, Berus, Familie, Heima:, Volkstum, mit einem Wort die Welt gering zu schätzen. Seine S:ele ist völlig von der gespannten Erwartung des mesüanischen Reichs erfüllt, so daß alles Irdische für ihn seinen Werl verliert. Aus d ejer Weltüberlegenheit ist im Laufe.der Zeit eine weltflüchtige, asketische Stimmung geworden, die erst durch. die Reformation wieder einig rrmaßen beseitigt worden ist. Welt und Religion haben sich seitdem einander genähert, aber ein Rest "jener ursprünglichen Geringschätzung )es Irdischen ist geblieben. Der moderne Christ nimmt an der Kulturarbeit teil, aber sie bleibt ihm etwas Unzulängliches, leine Sehnsuckt schweift stber die Welt hinaus ins Transzendente. Von dieser Stimmung ist im moderne wie in öÄ Religion der Bibel etwas zu fin „Füllet die Erde und bezwinget sie", die das halten, wecken noch heute in r ns ein freudig sucht blickt nicht so sehr in jenseitige Welten menschlichen Kultur. Die jül ische Religior winden, sondern ihm seine höchste Form gwen. n Judentum ebensolvenig, ij>en. Die Worte der Thora: Programm der Kultur entes Echo, und unsere Sehnals in die Zukunft der will das Leben nicht übermejsianischeit Aus der weltüberlegenen die schwärmerische Form, die < liebe gegeben hat. Er zitiert zwar die Nächsten wie dich selbst", sie > enthalten at er nicht ganz seine. Ansicht. Seine ethische Forderung würde in deutl „Liebe deinen Nächsten mehr pls dich selbst ist eine Einschränkung und Begrenzung eine Erweiterung des Interesses über die rubt aus der Ueberzeugung hon dem glei Stimmung erklärt sich auch Jesus dem jüdischen Gebot der Nächsten- Thoraworte: „Liebe deinen cher Formulierung lauten: Die jüdische Nächstenliebe lfes Egoismus und zugleich eigene 'Person hinaus.. Sie len unendlichst Wert jeder