Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 11 (1.11.1913)
- Date
- 1913-11-01
- Page
- Seite 347 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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— 347 i die spitze eines Jugcndvcreins gestellt/ üiq keine Ahnung tavon haben, ivas Jugendbewegung bedeutet, die nicht empfinden, daß die Leitung eine»/ Jugendvereins Einsetzen der ganzen Persönlichkeit verlangt, die nicht verstehen, daß man zwar den jungen Mitgliedern gegenüber äußerlich autorirativ auftreten, innerlich aber dasür sich eine um so grüß:rc Bescheidenheit anerzogen haben muß, die den Leiter bei immer dahin horchen läßt, wo eine neue ^dee austaucht; aller Bejtimmth :it der Rede doch die sich niemals fragen: ob der Verein nicht aus dem falschen Wege ist und neuer Arbeitsmethoden bedarf. Ich will mich nicht allzu sehr dagegen wenden, daß manche unserer Vereinsleiter die Arbeit als Sprungbrett zu äußere r und materiellen Erfolgen betrachten. Aber hüten Sie si^ vor den Leutei, bei denen Sie instinktiv das Gefühl haben: Unsere Vereine sind nur ein Sprungbrett für sie, damit sie in andere Sachen hineinkömmen. Hüten Sie sich vor allen Dingen, vor den feigen Memmen, die, wenn sie einmal « in Ehreriamt bekommen, gleich wieder lausen gehen, wenn die Sache ein» al nicht glänzend geht, oder wenn ein scharfes Wort der Kritik fällt. Ganz allgemeinmöchte ich bei dieser Gelegenheit der^Ansicht Ausdruck geben, daß überhaupt die deutschen Juden einmal die Ars und Weise, wie sie ihre Ehrenämter vergeben, einer gründlichen Revision unterziehen müssen. ■ Die Aemter der Gemeindeverwaltungen, der Organisationen sind nicht fir Leute da, die keine Liebe zur Sache haben, die zwar allergnädigst an einem hohen Feiertage zur Synagoge gehen, die aber ihre Tätigkeit zumeist darin erschöpft sehen, sich eine» Vogel ins Knopfloch fliegen zu lassen. Steht der Vorstand des Verbandes auf der erforderlicher Höhe? Ta darf ich sagen, daß cs wohl wenige Organisationsvorstände gibt, die ihre Arbeit so ernst nehmen, deren Sitzungen von solchem sachlichen Interesse getragen werden. Bei aller Verschiedenheit der Anschauungen sind unsere Führer doch homogen in einer warmen Liebe zur Jugcndsache. Ich mutz auch herrorheben, daß cs in unserem Verbandsvorstande ein Uebersi immen kaum gibt. Wer eine gute Idee aufbringt, darf auf die Zustimmung dl r extremsten Gegner rechnen. Ich mutz leider aber auch betonen, daß die Art und Weise, wie der Vorstand organisiert ist, unserer großen Bewegung nickt mehr würdig ist. Der Verbandsvorstand ist zu wenig zentralisiert, die Arbeit ruht auf ganz wenigen Schultern. Ich bin der Ansicht, daß man aus unserem Verbandsvcrstande mit einer geschickten Statutenänderung wesentlich mehr herausholen könnte. Es ist ein Unding, daß wir der Kosten wezen lediglich zweimal im Jahre tagen können. Ter Uebelstand ist deshalb noch nicht zu kraß zutage getreten, weil immer noch die gleichen Leute an der Spitze stehen, die durch ganz besonderes persönliches Interesse geeint sind. Wir müssen uns für die nächste Zeit durch die Einrichtung von «pczial-Nusschüssen Helsen. So wird in den nächsten Tagen ein „geistiger Ausschuß" eingerichtet werden. Denn uns graut davor, daß an manchen Orten die jüdisch: Jugendbewegung, noch nicht genügend geistigen Inhalt halbes muß zugeleben werden, daß selbst große Lugendvereine sich in recht willkürlichen Prrgrammen und in äußerem Getue erschöpfen. Weiter werden wir einen „w irtschaftlichen Ausschuß" einrichten, der sich vorläufig lediglich mit der Frage der Berufswahl 1*