Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 6/8 (1.6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 203 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4926451-6352289-6352366--0615-4926739- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
203 — I >i. Isi Mal)u (liöln): Meine hochgeehrten Damen und Herren! Mein Herr Vorredner schloß seine Ausführungen damit, dos; er anfünbiflte, sosern unser Iugendverein nicht in seinem! Zinne votieren. würde, Friedhofsruhe in unfern Leihen herrsäzen würde. Und ittd^mselben Augenblick dringe» herein in unsere Zitzung die Wandergrübe, unserer.jnngcn Freunde und Freundinnen, die draußen in den herrlichen Auen unseres Vaterlandes wandern; aus den soeben verlesenen Telegrammen ersehen Zie mit uns die frohe Botschaft,^ daß nirgendwo Friedhofsruhe, nirgendwo Todesschlaf herrscht. In! einem ander» Zinne fassen wir unsere Arbeit auf wie unser .Herr Vorredner: Ztärkung des Geistes in harmonischer Ausbildung mit dem Körper, die Erziehung;» geschlossenen Persönlichkeiten, denen wir initgcben aus den Lebensweg zugleich die ^iebe zur Heimaterde. zum Vaterland:. Wenn die Herren Zionisten unter Friedhofsruhe das Richtvorbaiiocnsein von agitatorischen und laut polternden Volksversammlungen verstehen, dann lassen wir uns diese Ruhe gerirgefallen. Ja ruhiger und friedlicher Mleinarbeit werden wir unser Ziel crreislien miiffen. Es scheint aber weiterhin, meine Damen und Herren, als ob die Herren Zionisten sich mit dem Märthrerschein der Hinausgedrgngten umgeben wollten. Demgegenüber sei es gifiagt: daß nickt wir ^s sind, die den. Zionisten den Ztuhl vor die Tür. setzen, sondern daß die Zionisten .es' selbst! und. die sich von uns durch ihre falsche Problemstellung auösckließen, sich von uns trennen,! Und noch ein weiteres: Auf nnserii Tagungen hat bisher gar zu iebr der stampfum -politische Fragen eine Rolle gespielt. Anw in ' Hannover haben wir uns in solch uferlose Debatten verloren. Wir müssen uns mit Nachdruck dagcgeif wenden, daß sich mich einmal solch politisches Gezänk-auf unserm Tellfgiertentag erbebt: Praktische Arbeit tut unserm Verbände bitter not, ivir bedauern, daß wir unsere Zeit opfern mußten für solche unfruchtbare.Debatten. Wenn wir. noch einmal, zum dritten Male, einen derartigen Telegieftentag haben, der die - beste Zeit für solche Dinge hergibt, daun verpuffen wir unsere Arbeitskraft, dann sind die Tagungen für unseren Verband verlorene Arbeit. Darum lassen Zie uns heute uns nnft zusammenrun und den festen Vorsatz fassen, dahin zu streben, daß in Zukunft unsere Delegierten- * tagungen nicht mit solchen unerquicklichen Fragen belästigt iverden; lassen Zie es uns verhindern, daß wir uns solchen künstlichen Zwiespalt in unsere Reihen hineintragen lassen. (Bravo!) Meine Damen und Herren! Das Bild, das ivir beute hier erleben, ist dasselbe, das sich im großen im Westen unseres Vaterlandes, in der Rbeinprovinz, seit Monaten abspielt. Viele meiner Freunde haben mit mir die Uilberzeugung, daß ein Teil der Zionistenv— nicht alle — diese Zenrralvereinsfrage in Verbiudum; mit den Posener Beschlüssen nur dazu benutzen, um einen Grund zur Gründung von zionistischen Iugendgruppen zu schaffen. Das Hereintragen dieser Frage in unsere Arbeit ist nichts anderes als ein Rückzuggefecht Zur Deckung der Förderung der Posener Beschlüsse. Ich bckrone, daß ein großer Teil der Zionisten — insbe)ondere die alten — nicht auf diesem Ztandpunkt stellt. Es muß zwischen den fungen Radikalen, die fick in letzter Zeit auch im Westen unseres Vaterlandes außer-