Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 6/8 (1.6.1913)
- Date
- 1913-06-01
- Page
- Seite 180 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/4926451-6352289-6352366--0592-4926716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 180 — - haben auch sie Zionisten gern als Mitglieder gesehen. Wir — d. li. ber Zentralverein — find aber neuerdings zu unserer Resolution gedrängt worden, nicht etwa ivegen der zahlreichen Bersammlungspöbeleien, sondern dadurch, daß säst in jeder Versammlung der Zentraloerein interpelliert und gebeten wurde: Gebt endlich osfen an, was Ihr mit 8 1 meint und wie Ihr Euch zum Zionismus stellt, hauptsächlich aber dadurch, daß Aeußerungen, wie oben mitgeteilt, jnm zionistischer Seite immer mehr sielen und die staatsbürgerliche Stellung der deutschön Juden zu untergraben drohten. Ter Zentralverein wies weiter daraus hin, das; die Zionisten über die Nationalitätsfrage nicht einig seien; er wie-:- darauf hin, daß I>>\ Wassermann in der Iüdischeir Rundschau ausgesprochen habe: Ter Jude könne niemals deutsch-nationales Gefühl haben; er wies auf die durchaus ablveichende Meinung Ealvarns bin; er wies darauf bin. daß in einer Protest veriammlung der Berliner zionistischen Bereinigung der Hauptrednern -Herr Rechtsanwalt Gronemann, ja selbst in einer Acußernng zugeben mußte, daß die Sache nicht klar sei. indem er nämlich als Rötung enipfabl: „Sbjektiv deutsch national, subjektiv jüdisch-national." ■} lieber einen Punkt glaube ich mich-nickt anslassen zu öraucken. meine Berehrlen, — nämlich über die Behauptung, der Zentralverein' habe Die staatsbürgerliche Treue der Zionisten verdächtigt. Mag der eine oder der andere Zionist das noch'herauslesen, ich bin — und ick glaube objektiv zu sein — der Ansicht, daß wir, wenn wir den Wortlaut der Resolution durchlesen, aus keinem Worte eine Berdächtigüng der staatsbürgerlichen Gesinnung der Zionisten herauslesen können. Iw komme nunmehr zu meiner persönlichen Ruffassung der Angelegenheit und da muß ick sagen: Tas Reue und Ausschlaggebende war für mich nachstehende Erwägung. Ich habe zivar. immer gewußt, daß es Nationaljuden gibt, die lagen:, ich selbst .fühle nicht deutschnational, sondern iw fühl«? jüdisw-national; ick habe aber immer geglaubt, daß diese Herren Anderen die Berewtigung und die Möglichkeit zuerkennen, deutsch-national zu empfinden, er j: doch nickt Jedem jüdisck-nationale Empfindung angeboren und an-' erzogen ist. Iür mick war es eine absolute Zieubeit, und ick lege dieser Talsacin: das allergrößte Gewicht in meiner Eigenschaft altdeutscher Staatsbürger bei, daß tatsächlich jetzt mit rücksichtsloser Scltärfe in zionisliscken Veröffentlichungen betont wird, daß für einen dcnifchen Juden ein deutsch-nationales Gefühl überhaupt nickt möglick fei. «Hört! Hörtü - Was ick jetzt gesagt habe, ist immerhin Auffassungssache. Icn glaube, wir kommen zu einer besseren und sachlicheren Entscheidung, wenn wir uns in die Seele derjenigen Telegierten versetzen wollen, die da sagen: Mögt Ihr reden, was Ihr wollt;'wir betrachten diese Resolution trotz aller Tentungskünsle, trotz^aller Interpretationen als einen Affront gegen uns und als eine Tatsache, die uns die Mitgliedschaft im Zentralverein unmöglich mackr. Tiesc Telegierten, deren Motive sicherlich durchaus ebrlicke und anständige sind — und ick bitte Sie dringend, dem Rechnung zu tragen —. nehmen dreierlei Stellung ein: Tie eine Richtung sagt: Wenn der Zenrralvcrcin beute nicht herausgeworfen