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Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1913-06-01 · 6/8 (1.6.1913) · p. Seite 169

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Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
4 (1913)
Issue
6/8 (1.6.1913)
Date
1913-06-01
Page
Seite 169 (sequence 10)
Language
German
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— 169 —| staatsbürgerliche Gleichberechtigung, öeit wir auf unsere, Zahne geschrieben haben, ist ein vaterländischer Kaurpf iw besten Sinne des Wortes (Beisall), denn er ist ein Kamps um Recht und Gerechtigkeit. Beifall.) / In sozialer Beziehung steht sür uns obenan die Forderung, Saß n'ir die Jugend aller Kreise und aller Schichten bei uns vereinigen wollen. In diesem Universalismus liegt ein Teil unserer-sieghaften > rast. j ' Welch reichen Kräftezuwachs unsere Bewegung durch das starke uiströmen der weiblichen Jugend (sie bildet heute -reichlich (3 aller Mitglieder) gewonnen hat, das besonders einsetzte, nachdem ein gesondertes Dezernat im Verbandsvorstand sür dieses Organisationsg.'biet geschaffen wurde und welche Forderungen slch daraus ergeben, d is soll heute nachmittag in einem Einzelreferat behandelt werden. lieber unsere Versuche, die Jugend auf dem Lande Und in den K l e i n g e m e i n d e n für uns zu gewinnen, orientiert unsere Resolution zur Frage Landgemeinden. Sämtliche hier aufgestellten Forderungen sind nicht etwa graue Theorie, sie sin> in der Arbeit des lümen Winters praktisch ausprobiert. J Dem kameradschaftlichen Geist, dem Solidarititsgcfühl der Mil^ glieder untereinander, das sich zu unserer Freude immer stärker ausvrägl, entspricht, daß viele Vereine soziale E -j n r i ch t ü ü g e N wie Heime, Wohnungsnachweise, Rechtsschutz» und'Blratungsstellen für mancherlei Gebiete, Vergünstigungen und ähnliches geschaffen haben, vis hin zur materiellen Unterstützung der Mitglieder in gewissen Fällen. Wir sehen in dieser Entwickelung ein gutes Zeichen für die Zukunft. Selbstverständlich sind unsere Vereine keine Wohltökigkeitsvereine und lelbstverständlich dürfen wir niemals so weit gehen, )aß wir den großen interkonfessionellen Berufsorganisationen Konkurrmz mcichen, deren Selbstzweck es ist, den Mitgliedern wirtschaftliche Vorteile zu bieten; aber es gibt Fälle genug, wo nur bei einer so straffen Organisation wie der unsrigen ein Eintreten möglich ist. Ter 3verband wird dahin kommen, dieses Arbeitsgebiet nicht nur den Vere nen zu überlassen. Zur sozialen Erziehung der Mitglieder gehört es ferner, daß wir sie einführen in die Praxis sozialer Hilfsarbeit — auch für Nichtmitglieder —, Und zwar nicht nur die Mädchen, sondern auch die jungen Männer. Wir wollen uns hüten vor jedem auf diesem Gebiete, wir wollen aber die inneren Werte, die d ese Arbeit' für den jungen Menschen schafft, die Weiterung des Blickes, die sich aus ihr ergibt, nicht missen. Und gerade für unsere jüdischer Aufgaben. Tenn, wer wollte es leugnen, daß derjenige, der in gemeinsaiper Arbeit mit allen Kreisen unserer Gemeinschaft in Berührung gekommen ist, der auch im Kinderhort, im. Ausländerkurs, der T^nbeehalle oder der Answandererstation einen Einblick gewonnen hat, in die spezifischen Verhältnisse des jüdischen Proletariats — und sie sind spezifisch —, den Zukunftsfragen des Judentums andersgegenübersteht, als der, der diese Tinge nur vom Schreibtisch aus betrachtet. Wir müssen, das soll der Kern dieser letzten 3Ausführungen 4em, TUr unsere Bildungsarbeit den Taten- und Schaffensdrang der jifdischen Jugend in weit höherem Maße als bisher ausnutzen.

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