Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 5 (1.5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 145 (sequence 18)
- Language
- German
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— 145 — r wir nennen hier nur den bedeutendsten unter den Talmstdisicn„ R. Meir l>en Jakob Schiff lgest. ll>41>, daneben den gelehrten^ Liödrrabbiner Pinchas Horowttz igest. 1805», einen scharfsinnigen Kritiker dejr Mendelsohnschcn Bibelübcr se»ung, und -viele andere über Frankfurts j Mauern hinaus berühmte R^bbincn. ,' ' ' | Wenden wir uns noch mit einigen Warten der i n n ei r e n i> a g e der f>udcin zu, so erregt zlinächsr ihre juristische Stellung innerhalb des Staates und dar Stadt einiges Interesse. Tie Jiubcn waren - tvie überall — des Kaisers Kstmmertncchte, d. h.. sie zahlten hohe Steuern direkt an > die kaiserliche >tainnrer und genossen dafür den speziellen „Schuhs ihres hbhen Herrn. Säion ' 1349 aber verpfändete sic der geld'bedürftige Kaiser an die Sigdlf Frankfurt, für die sie fortan eine unschätzbare Einiw bmcqucllc bilden. Tenn die Inden zahlten außer ihren .H.ruszinsen noch die sog. „Stälkigkeit", d. b sine' auf jährliche' N ucinschätzung basierte Eiukoiinmenstcüer. Unter „Ltgttigkcir" verstellt man zugleich den Vertrag, durch den c n Jude das Aufenrllallsrechr für je I—ö Jahre in der Stadt erhielt. Tucchreisende jüdische Kaufleute hauen für jede Nacht ihres Aufenthaltes ein „itopfgeld" zu entrichten', auch erhob man bei jeder Beerdigung eine Gebühr für Benutzung'-des Friedhofes, obivobl dieser Gemeindeeigcntum lvar. größer die Gemeinde nnirde - die Zahl der J-amilien i. J. '1t|l4 überstieg .'>30,—, nn so reicher waren diz' Einnahmen des ltiatcs. Unter dsesein Gesichtspunkte muß man das dritte e i n f ch » e i d e n d e E r e i g n i ft in der Gescl ichte der Jrankfurler Juden betrachten, die B e r f o l g u n g durch Binccnz v e t t in i l ch im fl ah re -1311 Jettmilch, der Führer.einer bürigerlich-zünftlerisehcn L iposition gegen den :>ial, wählte als ein besonders geeignetes Mittel zur Le>ädigung der Stadtobrigkeit - die Plünderung und Zerstörung dec Judcngasse. Ter :>!at war nicht imstande, den siegreichen Astfrnbrern gegc niber dii Judeü zu. schützen.. Tjese zogen auf zwei Jahre in tue Perba,innng und kehrten nach Wiederherstellung der Ordnung in ibre neuaurgebaute Giisse zurük, unter besonderem Shmtz der kaiserlichen Majestät. * ' I Was die Juden dem Kaiser' und der^. Stadt so kistbar machte, ihre Sscuerkraft, das war wiederum ein Ergebnis des Berufes, dem sie meist nachgingen, nämlich dem Geldhandel. Ter Rat selbst scheint sic auf diesen Erwerbszweig mit Vorliebe hingelenkt zu haben, indem c: bei der Aufnahme in die „Slättigkeil" die Geldhändler den anderen Bewerbern - vorzog. So möchte man erklären, wieso die finden selbst im früheren Mittelalter, als die Ziiufle ihnen noch offen gestanden hätten, sich nicht dem Handirerk. znwcndeten. <’ , , So unentbehrlich vom volkswirtscliaftlichen Standpunkte der Beruf des Geldbändlers ist, so trug er doch wenig dazu bei, den Juden Smnpatlli,' bei den Andersgläubigen zu erwerben. Tagegen erfreuten sich, feit dem'frühen Mittelalter die zahlreichen jüdischen Aefdzte einer besonderen Achtung und Anerkennung. 1398 stellte der Rafschon einen „Juden irzl" mit 20 Gold> gülden Jahresgehalt als städtischen > Beamten an. Tas geistige Leben der jüdischen Gemeinde var nicht -so unbedeutend. als man hei der Enge und Mühe des Lebern cnvarten möchte. Naturgemäß schöpfte es feine Nahrung ausschließlich aus dem Studium-der jüdischen Wiffenschaft; wir haben bei Gelegenheit des Jciedbofs bereits auf dis stattliche Zahl von Gelehrten hingewiesen, die von Frankfurt ausgingen. Abgesehen von den Rabbinern, die die religiösen und häufig auch geistigen Althrer der Gemeinde waren, finden' wir stets jüdische Lehrer und Hauslehrer in relativ sehr großer Zahl in Frankfurt. Auch, kamen zahlreiche ..Studenten" von auswärts, um hier an der berühmten „Hochschule" („Je,chiwoh"> Gelehrsamkeit zu erwerben. 1429 erhielt der „Meister Simon" - vom Rat die Erlaubnis, gegen entsprechende Steuer 20 Studenten zu beherbergen. l r i ■