Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 5 (1.5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 143 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 1« — I I 3ur 6efd}id)te der Frankfurter Juben. Tic ©cidiidite der r a n f f n r t c r Huden, die wir im folgenden zu Nutz und frommen unserer Verba stdsfreundc skizzieren wollen, :st ein pctreulich.es Spiegelbild der Gesckiichlc der Hudenhcii überhaupt mit ihren Vcrsolgungen un'd Verkennungen, ibrcm Ringen und ihrem geistig^, jiitlichen Streben und dein schlictzlichen Erfolge jüdischer Lcbcnscncrgie über alles Leid und alle Trangsal dieser Welt. Tie erste Kunde über die Existenz von Huden in Frankfurt datiert au« dhm Jahre 12-11 und besteht in de:n Berichte von der sog. ersten „Ju bensch lacht", die die Vertreibung und teiliveise Erinordung der damals in Hpankfurr weilenden Huden zur Holge hatte. . Die Zahl der Vertriebenen ist strittst), sic dürste um 200 betragen habe». 'Augenscheinlich kehrten sie aber sehr bald wieder zurück, denn wir lesen in den Urkunden der Stadt, daß Hilden in der Umgegend des Tonics, zivischen diesem und dem Main, sich» angcji.Sclt batten. Tic Wahl gerade dieser Gegend dürfte sick» aus rein wirtschaftlichen Erwägungen erklären, da diese damals dgs Zentrum der Siadt bildende Gegend die besten Aussichten für den Geschäftsbetrieb bot. 'Einen zweiten 'traurigen Einsdmin in Leben und Geschichte der Frankfurter Hude» ivic der deutschen Huden überhaupt bildete das Hahr 1349, in dem sie kinter d>r wahnwitzigen Behauptung, durch) Brunuenvergiftung die Pest versdiuldci zti baden, aus der Stadt vertrieben wurden. Aber kaum 5' Hahre später sehen wir die Huden wieder in Frankfurt; zunächst dürften sic in gut ein Verhältnis zur christlichen Bevölkerung gestanden habe», da man sic weiter :» der Nähe des Tonics und mit dem Blick auf diesen wohnen liest.. Nach ustd nach) aber versckilcchtertc sich, teils aus wirtschaftlichen, teils aus religiösen Gründe» das' Verbällnis der diristlidicu Umwohner zu den Juden. Unter dem Vorwand, es sei eine Entweihung des Gottesdienstes, daß die Juden in die Kirche bincinschen und die Gesänge hören könnten, -bestimmte die Geistlichkeit den Rat, die Huden in einer best »deren' G a s s e anzusiedeln. Alles Bitten der Betroffenen, ihnen dies „iisen-Aegnptcn" zu ersparen, blieb ersolglos. 1402 begann man mit dem Bau von Häusern auf einem städtischen Terrain außerhalb der alten Stadtmauer, an dem Teil des Stadtgrabens, der „der Wallgraben." hieß. Ter Boden dort wurde den Beivohnern zur Leihe gegeben, sie mußten einen jälirlidien Zins dafür entrichten. Tie neue dinzeilige Straße verlies in Iciditem Bogen von der heutigen Konstablerwache biö etwas hinter der Snnagoge, später wurde sic bis zum heutigen Börneplatz weiiergeführl und erhielt eine zweite Häuserreihe. Infolge des durch die 10 Fuß Hobe Mauer und die Tore eingeschränkten Platzes machte -sich bald schlimmer Platzmangel fühlbar; deshalb traten hinter beide Häuserreihen im 10 und 17. Jahrhundert 3—sstöckigc Hinlerbäirser und an diese wompglick noch, einmal Anbauten. Von der Enge, die allmählich entstand, können' wir uns heute keinen Begriif m.br madien. Tenkcn Sic, daß die-alten Steuerbücher aus dem Raum, wo beule ea. öO Häuser Platz gesunde» haben, 203 Häusernamcn aufzählcn iim Jahre 1700]; häufig wßrde, was ursprünglich ein Haus war. in zivei bis drei geteilt; bei einer Zahlung im 18. Jahrhundert konnte cs papieren, daß eine ganze Anzahl Häuser einfach übersehen wurde. Tas Rothschildsche Haus in der Börncstraße, hätte das einzige Erinnerungszeichen an die damalige Zeit, kann, so wie cs sich heute präsentiert, keinen Begriff von der Armseligkeit des damaligen Wohnens bieten. Tiefes .Haus wurde nämlich noch im Jahre 1584 renovierst Seine frühere Front bestand aus nur 2 Fenstern, die zusammen kaum breiter waren, als ein Fenster unserer modernen Großstadthäuser. Auch wird hem Betrachter dieses Hauses' die ansehnliche Zahl der Stockwerke ausfallcn. Ursprünglich durfte die Höhe von drei Stockwerken nicht übersdirillen werden, hauptsächlich sckion deshalb, damit