Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 5 (1.5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 133 (sequence 6)
- Language
- German
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— 133 — Tätigkeit in eine einseitige Richtung drängten und in ihx erhielten. Ter kleine und mittlere Handel, den die Juden zuerst g< nötigt waren, im Umherziehen auszuüben, gab ihnen die Mittel, zum seßhaften und zum, großen Handel überzugehen-, dieser begründete und förderte den Reichtum, die Ansammlung mobilen Kapitals bei den K,ufleuten, und die abstrakte Veranlagung des ihres Geistes führte sic gi.n,v! natürlich dazu, ihr Kapital auch in der abstraktesten Form, die dei kbar ist. losgelöst von allem stofflichen Material, zu verwerten, immlich im, reinen Geld- und Bankgeschäft. So wardn sie, als die großgewerbliche Technik auf dem Plane erschien und mobiles Kapital verlangte, ganz besonders disponiert, vorbereitet und auch willens, der Wirt- . schaft dieses mobile Kapital zur Verfügung zu steten. Es ist begreiflich, daß das jüdische Uniernchm rtr m die von ihm aufgesammellen Kapitalien vornehmlich und zuerst auf solchen Gebieten des Wirtschaftslebens nach großgewerblichen 'Gesichtspunkten arbeiten ließ, die ihm aus seiner früheren Tätigte t in der vorkapitalistischen Feit bekannt und vertraut warchi, nämlich im Warenhandel und im Geldgeschäft. Wie weit stür diese Auswahl die Gewohnheit der bisherigen Praxis, und wie tveir dafür die den Juden ztveifellos anhaftende abstrakte Veranlagung maßgebend gewesenist. wird sich vielleicht in einem späteren Stadium unserer— Untersuchung erkennen lassen. Schon hier ^ann festgestellt werden, daß auf diesen beiden Gebieten das Judentum die Führung in dem kapitalistischen Umbildungsprozeß gehabt hat und lange Feit, zum Teil auch noch heute, diese Zweige des geschäftlichen Gebens st st völlig beherrschte. Ganz besonders gilt dies von dem W a r e n h a n d e l. Das sogenannte Engrosaeschäst, das sich seit Beginn der kapitalistisk>en Epoche zwischen die Fabrikation und den Verkauf an die direkter Konsumenten-eingeschoben hat. ist noch-heute fast ausschließlich in jüdischen Händen. Tie beiden kaufmännischen Haupterfordernisse die es- Engrosgeschäfts, die geschickte rechnerische K a l k u l a l i o n und di, wirksame, überzeugende A q u i s i t i o n,- von denen die cirje dana h strebte, die Ware möglichst billig zu beschaffen, die andere darauf hin ring, sic hem Käufer zu einem anlockend wohlseilen Preise und'in einer bestechenden Form anzubieten, lagen dein jüdischen Raturellj besondws gut.^-Auch den finanziellen Anforderungen des Grossistengeschäft-, die darin bestehen, daß der Grossist seinen Lieferanten, den, Fabrii Unternehmer, sofort bezahlen, seinen Abnehmern, den Tetaillöuren, aber ziemlich lange Zahlungsfristen einräumen muß, vermochte die jüdische HänÜlerschaft ’ bei ihrer guten Ausrüstung mit mobilem Kapital zu entsprechen, und so kommt es, daß bis in die heutige Zeit fast das ganze Engrosgeschäft. namentlich im Tertilgewerbe, in Marufaktn» und Weißwaren, in der Konfektion usw. >in jüdischem Hän>en liegt. Aus dem Engrosgeschäft ist der jüdische Unternehme^ im Li mfe der Zeit auch in die Unterstufe dieses Geschäfts, in die T e r tä l i n d u st r i e, vorgedrungen, und hat sich in starkem Maße namentlich in der Fabrikation von konfektionierten Artikeln, in geringerem -Matze auch in der Fabrikation von Stoffen und Geweben -eingenistet. Auch im Handel und in der Fabrikation von keramischen Artikel 1, Luruswaren üfw., hat sich der jüdische Geschäftsmann betätigt, degleiclnn im Import-