Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 3 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 79 (sequence 18)
- Language
- German
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Die Unterridjtskurfe des lübl scheu Jugenbuereins zu teipzig. Von gacqueä A b I er, Mitglied des Jüdischen Jugendvereins zu Leipzig. Die seit den letztest Dezennien bestehende Wanderung der Juden des Lstensvor. allein Rußlands. Galiziens und Rumäniens nach Deutschland, England und Nordamerika hat die Juden dieser Länder, soweit bei ibncn nock ein Gesühl der Gemeinschaft fi^r die östlichen Brüder vorhanden ist, vor eine Fülle höchst verwickelter und schwer zu lösender, sozialer Aufgaben gestellt. Für d>e deutsche Judenheit spalten sich diese Probleme in drei scharfgetrennte Gruppen, erstens die Hilfsarbeit an den Durchreisenden, zweitens an denen, die nur einige Zeit hier perweilen, um dann den H8eg nach dem Westen, den angelsächsischen Ländern iortzusetzen, drittens an denen, die im Lande zu bleiben gedenken und hier stich cinp neue Existenz gründen wollen. i Tie Hilfsbereitschaft! diesen Leuten gegenüber, die uns deutschen Juden beim Kamps gegen den Abfall und den Antisemitismus junges Blur, junge Kräfte, junge Waffen zuführen sollendie Hilfe, die wir diesen Brüdern gewähren wollen und können, ist das ik cdeutendste und Entscheidendste an unserer sozialen Kulturarbeit für die-Wände'er aus dem Osten. > Wir können nun nach materieller und geiziger Unterstützung .unter, scheiden. Die materielle ist nur unschwer zu gewähren. Dem Einwanderer kommt, obwöbl er meist mittellos und Pater einer größeren Familie ist. bald sein angeborenes Erwerbstalcnt zustatten. , Er findet leicht Gelegenheit, etwas zu verdienen und schlägt sich meist mit einem kleinen Handel schleckt und reckt durchs Leben. Was er erübrigen kann, wendet!er der Ausbildung deiner Kinder zu. Acbnlick gehl cs den jungen Handlverkern und Gcwcrbegebilfen lKürscknern, Zurichtern), die dem Druck der sozialen Verhältnisse weichend, den Weg »ach Deutsckland finden..Auck sic kommen bald zu lohnender Beschäftigung und erreichen bei einigem Fleiß verhältnismäßig schnell Wohlstand, ialls sic cs nicht vorziehen, ihre in Deutschland erworbenen Kenntnisse in England oder Amerika zu verwerten. Materiell werden wir also den Zuwanderer am besten unterstützen, wenn mir ihm reichliche, lobncüde Arbeit verschaffen und ihm die Sorge um seinen Nachwuchs erleicktern. Bei gutem Willen und einiger Porurteilslosigkcit ist hier viel zü erreichen.! Anders liegt es bei der geistigen Unterstützuitg. Um heutzutage in den Kulturländern des Westens durchzukoinmen, bedarf man einer gründlicken Schulbildung, vor allein im Lcscn,> Schreiben und Rechnen. Wer sick diese Grundlagen erworben hat, ivird sick auch mit geringer Mühe die Grundkeiintnissc eines jeden Erwerbstätigen, wie kaufmännische Korrespondenz und Buckbaltung, zu eigen machen können. ' | Unseren östlichen Brüdern | diesen geistigen Besitz zu übermitteln, ist die vornehmste Aufgabe aller! jüdisch-sozialen Hilfstätigkcit. §Was hier nock zu lxisten bleibt, vermag nur! der zu überblicken, der mit diesem Element unserer jüdischen Großstadtbevölkerung in engeve Berührung gekommen ist. Ein bedeutender Prozentsatz der Zuwanberer hat nur im Jüdischen einen längeren Unterricht genoffen, andexc besitzen außerdem noch Kenntnisse im Russischen; am günstigsten daran sind jedenfalls diejenigen, die in einer galiziscken Polks-. schule, oder wenn sic ausst Russisch-Polen kommen, im Privatunterricht mit'deN