Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 3 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 77 (sequence 16)
- Language
- German
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I — < i Warum holte sich -Hebbels der Dithmarjche, aus der biblischen Welt die Wesen, uin jene beiden Typen zu gestalten, und ihnen Marianme zuzngesellen, die Irau, die in ihrer tiefsten Weiblichkeit verletzt/ weil iitnt Ding entwürdigt ist? Warum, zunächst und allgenieiner. gefragt, taucht der Tragiker von! jeher in alten und fremden Zeiten unter, utij verwandelt zu der seinen zu reden? Weil er in ihr die bunte und feiet? liehe (Sebärde findet, die ihm seine Gegenwart verweigert, die er liebt und deren er bedarf: weil er ferner in den Berichten entlegener Tage leichter ein weithindeutendes Zymbal findet, das als -Handlung schon enthält, was der Dichter von der Seele des Menschen aussprechen will > Judith), und weil endlich das Einfache und Grosze der Vergangenheit ihm erlaubt, nachdrücklicher zu reden, aus Gestalten, die dkr Änfmerkiamkeit ohnehin gewiß fein köitnen und die von asten ablenkenden Be Ziehungen zur Gegenwart frei sind, junverkleinert vouder Technik des Älltags, nur Menschen,!ganz Seele. I Und was, nun nochmals gefragt, zog diesen Norddeutschen -in d^biolische Zeit? Jeder begabte Pro lestant erliegt in seiner Jugend der Gewalt unserer groszen Bücher, die in Luthers grandioser Nachdichtung als unauslöschlicher Bestandteil in den deutschen Geist eingegangen sind, und ihn mit einein Patlws. einer 'pirituellen t/eidenschaft und Hingabe getränkt haben, die,ihm früher sremd waren und deren! Wirksamkeit die deutsche Kultur unberechenbar stark förderten. Die vcin einer unerhört graulainen fugend, geknechtete Seele des-Dichters mijißte notwendig, sobald sie freier ivard, in die mafzlose Freiheit biblischer Stürme entrückt werden: dazu brauchte sein analytischer Geist ein Zeitalter und ein Volk, dem man glauben konnte, dasz ein dialektisch geförderter Intellekt auch das Gefühl, die Seele zerlegt, vergeistigt, bereichert batte, ohne durch taghelle Durchsichtigkeit das Walten dumpfer Triebe zu becinträchtigeit. Weder bet den Indern noch bei den Griechen, nur bei Juden schien das inöglich, bei Juden biblischer Tage, in die jene Bewusztlieil und Empfindlichkeit ^der modernen Iudeit hineingedeutet und zurückverlegt werden konnte. Denn der Dichter, um seine Menschen lebendig Erwachsen und blutvoll da sein zu lassen, braucht den reichen st o nt rast ind einheitlichen Grundton einer Uinwett, aus der die zeitlosen Typen übermenschlich aufsteigen iman erinnere sich als Gegensatz sind Beweis der singenden Schemen Richard Wagners, des anderen Nibelungendichters, der auch in dieieni Jahre iein -Hundert feiert). tUti dieser llnuvelt nun )vird die jüdische Ingens, für die diese aphorismatischen Sätze geschrieben iverden, ihren besonderen Änteil nehmen. Sie wird in! ihr die .Heldenzeit ihres,unseres Volkes wieder - finden, und wird mit!bewegt rst Blut die Niedrigkeit und die Größe, die Verzagtheit und das -Held« nt^tni der Äh neu erleben. Sie wird und soll mir Leidenschaft Partei werden, und im Erlebnis, vor Buch oder Bühne, mit den Wesen sich verschwistern, deren Geschick, vom Genie Hebbels aufbewahrt usid verherrlicht sie so.nabe angeln, angehen muf;.