Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 3 (1.3.1913)
- Date
- 1913-03-01
- Page
- Seite 67 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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67 erfüllt insbesondere diejenigen mit Unruhe und Besorgnis, die beobachten, welch ein gewaltiger Ser l n ft a n geistiger Kraft uns durch die Taufe und durch die organisierte Werbetätigkeit der monistischen und der Freidenker-Gesellschaften bedroht. Wir wissen es aus eigener Wahrnehmung, in welch starkem Maße die junge jüdische Intelligenz mit ihrem ganzen Fühlen und. Denken sich dem Monismus verschreibt, wenn eine geistig rührst e Lrtsgruhpe, wie beispielsweise die .Hamburger, die ^Erziehung zum Idealismus?, die die „alten Bekenntnisse" verabsäumt Habe r, sich angelegen fcfh läßt. In dieser vornehmlich durch den inneren Zwist, der dem bekannten „ästhetischen Antisemitismus" in unseren eigenen Reihen neue Nahrung gibt, verschuldeten Situation tut es dringend not, den in dem Ingendverband organisierter, aber auch den draußen st ebenden jüdischen Jünglingen und Jungfrauen das Charakterbild eines Gabxiel Rießer vor die Seele zu führen, jenen, um sie zu wappnen gegen die Lockungen einei^ Weltanschauung, die sie früher oder später aus unseren! Kreise hinaussühr^n muß, diesen, um ihnen zu zeigen, daß Geistcssreiheit und Kult arfr^udigkeit wohl vereinbar sind mit hingebender Treue zur Glaubensgemeinschaft und zum monotheistischen Ideal. , , Schon in seiner ersten Schrift weiß Rießer das treffende Wort gegen innere ustd ä u ß e r e, Abkehr zu finden. „Wir haben an d^r Religion der Väter nichts zu rächen, wir haben nur Ursache, sie zu lieben, denn wir sind ohne Vorurteile in einem reinen Gottqsglauben ausgewachsen, in dein unbesi igbaren Vertrauen auf eine göttliche Fübriiiig und auf den endlichen Sieg de^ Guten und des Rechten erzogen. Wir sehen nichts als,die freieste Entwicklung der innersten Lebenskeinie des Mosaisinus, gereiht an d a s H ö ch st c , w a s d i e M e n s d>- b ei t unsererTage z u f a s s e n v e r m a g, was für u n s an deren Stelle treten l » n n t e. Wir glauben nicht, daß eine der bestehenden öffentlichen Rel gionen den wahrhaften, naturgeinäßen Ausgangspunkt dieser Entwicklung darbietet: wir können darin irren, aber darin gewiß nicht, dliß nur Glaube und Ueberzeugung. nid,t schnöde Rücksicht auf äußere Vorteile, nicht ein feiges Weichen vor sinnloser Gewalt diese Fragen entscheiden müssen. Wir verehren misttiefgefühlter Begeisterung die Grundsätze der Vernunft und, der Freiheit, denen alle edlen Bestrebungen unseres Jahrhunderts yi» gewandt silid, und denen wir mehr, als irgend jemand alles verdanken, ivas dem Leben Wert gibt, mir verachten aber jenen I c s u i t i s nr u s der A u f k l ä r u n g, der len Glauben wie das Gewand wechselt, der den Lama oder Fetisch, wie Mahomed oder Jesus nach den Lehren der katholischen Kirche o d e r Luthers o d c r Calvins anzubeten bereit ist, je nadidein es die Umstände mit sich bringen. Das inhaltreichc Wort der ewigen Wahrheit: „Tu sollst den Namen deines Gottes nicht ini sonst, anrufen" hallt ewig in den Tiefen