Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 4 (1913)
- Issue
- 2 (1.2.1913)
- Date
- 1913-02-01
- Page
- Seite 37 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4926451-6352289-6352358--0399-4926532- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
37 Halts geschichtlich bedingte t^laubensvorstcllungen und Erscheinungsformen auf,zugeben, fo^tzubilhcn oder neue ,yi schufen." Wenn inan's so hört, möcht's leidlich scheinen. Ja. nicht allein leidlich.. sondern trefflich und junumstötzlich. ' Wer wollte im En^wickelungsgedanken, der unsere Z^it völlig beherrscht, .',u> leugnen wagen? Aber wer hätte ibn auch je geleugnet? Die „pyici.f jüdische Vereinigung? erkennt ihn in dein positiven Teil ihrer Erklärung ausdrücklich an.. Und auch dem traditionell-gch'etzestreuen J^chentnm liegt nicits ferner, als 'die törichte Behauptung, die ihm vjndi'iert wird, das; Delire und Leben des Judentums sich nickt ans Grund der gottgewollten geschichtlichen Umwälzungen und der Erweiterung des geistig:» Gesichtskreises gcwan-- delt hätte. Selbst das scheUi-bar .Starrste,'die ..shalaciia", ist für uns der Entwickelung fähig und erfährt von den Statt« n, wo die ans.diesem Gebiet schöpferischen Geister.'des Judentums .lebet., in den eigentlichen- Judenjänöern des LsleUs ijöck ' heute incnnigfaäie- J'ortbildnngcil. Was umstritten ist, das« ist die Jrage: - Was versiebt inan unter mes wesentlichen Gebalss"? Ls i e weit darf die Eut- Pn? Wann ist in der ^Entwickel ing ein Stadium erreicht, tlleues. Andersgeartetes darstellt? Es ist den liberalen ich die Theorie' lischt unbekannt -- Männer in führender liberalen Perejnigmin machen j e zir ihrer philosophischen t.vergl. a?^i. Jahrg.! S.>L!»7 -303». das; vom „Wahrung je Wickelung geh das ein völlic Juden sicherl Stellung der lleberzenguns^ Protoplasma licke Gehalt ist bei beides; deren llkeickien eine gerade Entwicklung zu Helnilioltz führt. Ter weientoas Lebensprinzip, wodurch iie sich vonandes Universums unterscheiden. .A,l diesem Gleichnis das freilich übertreibt — wird klar, das; für dag geschichtliche Judertiniu der Ent vickelung^gedanje an sich gar nicht beigcbracht ivcrdcn darf, das; es auch eine U-eberspannung dieses Esitivickelungsgedankens gibt,'wach bet x er, auf die geschicktst ch e Religion angewandt, zum , Widersinn wird. j - Das liherale Judentum Und damit auch die Richtlinien als -der jetzt offizielle'Ausdruck seiner Ueberzeugung kenn anüinii keine Schränke der Entwicklung. Rach ifmbit hgt jede Zeit das Recht, Glaubensvorstellungen, die ihr nicht entsprechen, anfzugebcn oder sie so .zu wandclit und zu Modeln, dätz sie der herrschenden Weltanschauung entsprechen. Tenn über das, was der wesentliche Gehalt ist, sitzt ja ebenfalls die Zeitanfchaunng zu Gericht. Es! fehlt stach ihnen völlig ein objektiver und für ewig feststehender autoritativer Matzstab dafür, was wesentlich und was unwesentlich ist. Das gesetze-streue- Judentum besitzt diesen Matzstab in der Anerkenitung der schriftlichen ^ind mündlichen Lehre, frühere Etappen der Reform bezeichneten den'Inhalt bei mündlichen Lehre als unwesentlich, aber den der schriftlichen Lehre nach dem Wortlaut, den die schlichte Exegese mit ihm verbindet, als unabänderlich; für dir Unterzeichner der Richtlinien ist auch der Pentateuch in seinergesamten Ausdehnung, 'müg er Geschichte oder Religion »gesetze enthalten, nur i