Mannheim
Compact Memory

Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands · 1913-01-01 · 1 (1.1.1913) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
Volume
4 (1913)
Issue
1 (1.1.1913)
Date
1913-01-01
Page
Seite 5 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4926451-6352289-6352356--0361-4926496
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 5 — ■ -;■ oiierfnnnt, Jie Lntwicklungsidee in ihrer Geltung feftgefteHt, bas“ Judentum als der Ausdruck lebendiger, niemals versiegender geschichtlicher Offenbarung Gottes bezeichnet. Daraus folgt die Wertschätzung der Ueberliejerung, die ÄerÄhtigüttg historisch-kritischer Würdigung der Religion ^quellen, das Recht und die Pflicht der Prüfung der von den ewigen 3Wahrheiten und sittlichen Grundgeboten unterschiedenen geschichtlich beiing^en Glaubensvorstellungen und Erscheinungsformen. Der Text dir Richtlinien enthält, wie bereits angedeutet, nicht eine Aufzählung dieser Glaubensvorftellungen; nur diejenigen sind ganz allgemein als auszusckieiden genannt, die die Reinheitder jüdischen Gotteslehre trüben. Darüber hinaus sind nach den Referaten äbzulehnen die Lehre von der leiblichen Auferstehung'der Toten, von dem persönlichen Mgssias, von den übernatürlichen Wundern, von dem Opferkultus und dem dauernden Priesterberuf der Ahroniden und van der Verbalir spiration. Der Liberalismus hält an der Auffassung der Bibel als Glottes Wort unverbrüchlich'fest; aber ihm ist nickt etwa jedes Wort gleichsam nach göttlichem Diktat niedergeschrieben, vielmehr die B ckelwer Reflex der Gottesoffenbarung in den Menschen, die die Verfassender biblischen Bücher gewesen sind. Darum steht der Liberalismus, wie der Wissenschaft überhaupt, so der biblischen Wissenschaft völlig objektiv gegenüber; ihre Ergebnisse, die Feststellung der Verfasser und der Zeiten berühren die religiöse Ueberzeugung nickt. Die griße Bedeutung der Erscheinungsformen, d. h. der Zeremonien, Hei die Richtlin en Unumwunden an. Aber gerade an diesen äußeren Formen tritt d e Entwicklung ganz besonders deutlich zutage. Der Liberalismus will deshalb die; alten Zeremonien erhalten und neu beleben, „die noch Gott setzen, ihn äußeren Bräuche und Uebungen der Religion erkennen' heute den einzelnen in lebendige Beziehung zu inu'net wieder, an seine sittliche Lebensaufgabe er-, innern, in das Alltagsleben Momente der Ruhe und Selbstbesinnung bringen, di; das Familienleben heiligen, dem jüdischen Hause seine eigentümliche Weihe und .Stimmung geben und der Pietät gegen Lebende und Verstorbene Ausdruck verleihen, die das Band der Gla über s gemein schaft festigen, die Glaubenstreue stärken und ein edles jüdisches Selbstbemsttztsein wackrusen. Vorschriften,. die diesen Bcd nguügen nicht entsvrechen, haben keine vorpflicktcnde Kraft." An einer anderen stelle ist ausgesprochen: Das liberale; Judentum „verwirft die Beidertüng der Frömmigkeit nach dem Maß äusierer Uebungen und erkennt als wertvoll nur das an, was^für den einzelnen!ie Kraft hat, frommss Gesinnung hervorzurufen, die fittliche Tat za fordern und religiöse Wahrheiten und Erlebnisse in anschauliche Erinnerung zu bringen". - Das sind die Grundsätze für die Erhaltung d<r Umbildung alter, für die Schaffung neuer religiöser. Formen. Kn >zwei Abschnitten wird dje Anwendung dieser Grundsätze auf die wichtigsten Formen skizziert. Für den einzelnen wird'

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.