Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 9 (1.9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 7 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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. — 7 — i ■ ■ Man könnte ein Buch schreiben über die eigentümliche-Art und Wsije, in der sich die Neuzeit da drüben durchsetzt. . Wer bei bitterernsten Dingen fein bißchen Humor zu retten cheiß, für den kann es nichts Ergötzlicheres geben, als,den Kulturkuddelmuddel am goldenen Horn und an der schönen l blauen Bucht von Saloniki!! Die neue Zeit zieht drüben ein mit all ihren Truppen. Die Türkei ist augenblicklich das beste Absatzgebiet für jede Art Ramschware, für die geistige nicht minder als für die reale. Wenn jemand eine Satyre auf Europa schreiben will, gehe er nach-Saloniki. Von den neuesten Wiener Tameninoden vis zuni frischgcbackenen türkischen Sozialismus alles Ramschkultur, alles falsch verstandenes Europäertum in des Wortes übelster Bedeutung, überall eine völlige Umwertung der Werte, bei der die Türkei den Kürzeren zieht,, denn sie versteht mit dem neuen Kurs nickt zu rechnen. . Tic Juden haben die eine Seite unseres Zeit brillant erfaßt, und sind in der Türkei —zu Amerikanern geworden! Verdienen wird drüben sehr groß geschrieben. Tad Wort „Materialismus" kennt man nicht, aber den Materialismus selbst desto besser! - } Dieser Materialismus berschlingt allfs, was irgendwie nach geistiger Regung aussieht. Tie jungen Leütc kennen kein Gespräch, das über Geschäft' und private Jntimitätesr auch nur im mindesten hinausginge". Kein Interesse für Kunst und Musik, kein Interesse an der Literatur, — französische Romane übler Sorte ausgenommen. Von den jungen Taim^ muß ich schweigen ich möchte nicht in den piuf eines Frauenfeindes kommen! > - Für jüdische Dinge ist das Interesse gleich ^Null mit einem sehr kleinen Tezimalbruch. dahinter. Es gibt rühmenswerte Ausnahmen, über sie verschwinden unter der Menge. Die- „Jugenüfrage" in» der Türkei lautet demnach: „Wie erlösen wir unsere Jugend vom »Stumpfsinn. des Materialismus?" Und hier rächt sich bjtter das Museumsdasein - der fephardischen Juden. Sie können dem Materialisrpus nichts gkgenüberstellen, denn er ist ein Kind d^§ 20. Jahrhunätz^t's und ihre geistigen Güter sind vielhundertjährige Scharteken. > Und darum sind sie zur Untätigkeit verdammt, es sei chenn, sie könnten sich entschließen, endlich einmal wieder den Anschluß zufinden ajr die große jüdischtzWclt! Auch hier kann nur die Jugend der Jugend helfen! Nur die Jungen, können daran gehen, den alten Bau zu erneuern. Und darum muß sie 'einmal kommen, die jüdische Jugendbewegung in der Türkei. i ■ Wann? Wer rann’» wissen? Aber sicher einmal! Tann wollen wir sie als Geist won unserem Geist freudig willkommen heißen! '; ' —— 2* i