Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Journal
- Mitteilungen des Verbandes der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands
- Volume
- 3 (1912)
- Issue
- 9 (1.9.1912)
- Date
- 1912-09-01
- Page
- Seite 4 (sequence 5)
- Language
- German
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Alle ('V'ickv in befcit sich der Elxirakter jener Feste wideüviegelt. simd auf den kiud ein Sv selbstlx'rrlich -1 Tan gestimmt» wie ist-och das arme, wehrlos Menschencltmll iii den Händen fremder, ilnn ferner Mächte, die sein (beschick gestalten.. Das ist ein Punkt, in welchem sich religiösc und naturalistische Weltanschauung. zum Verwechseln älnilich seher. Der Fromme fühlt sich dem allmächtigen Katt untertan, dessen R^tsäknß für ibn n n er f or scht ich ist, der chm Leiden und . S«tnü^rzen tesckgn. alnie dliß er in ihnen Vernunft und Sinn zu ent decken vermag. Da st freilich Vernnnft und Sinn jenen Fügungen nicht'fedten, wird fromm».' Gläubigkeit-nicht-beznx'ifeln. Ader sie'sind dunkel. nnerfarschlich— Schicksal. Und der Natnralist? Er fühlt sich - oder gilbt dach vor, sich zu fühlen — als.ein Fragment, als ein Teil der Natur. die ilnn geiiiäß einigen Gesetzen das Schicksal bereitet, ivie den Steinen' und den Bäumen, ohne nach seinem Wallen - und Wünschen ,>n. fragen. Fa. sein Wollen und Wünschen sind ilnn selber ein Stück seines Schicksals, von den nämlichen Regeln beherrscht. die den (hcttiriu't, ihre Bahnen am Simmel vorschreiben. Hier -wie dort' '-das Bewnßnein unbedingter Abhängigkeit. Aber da zeigt sich auch schon die Grenze, welche die Geister jclvidct. Wen» der Religiöse sich um das Geschick sorgt, so weis; er, das; er'nicht blas; ein Schicksal hat, sondern hag er auch selber Schicksal sein kann: er selbst sein eigenes Schicksal. '„Alles fleht in Gattes Hand", das ist . /nun nur eine lxübe Wahrheit: mit dem alten Weisen fügt er hinzu: j alles mir nicht die Furcht vor (Hott." Diese Furcht vor Gott, die! allein l'kut dem Menschen nicht .schenken kann, bedeutet mehr als > Frhmmigkeir in dem üblichen Sinne des Wortes. Sie ist die Kraft s znreigcmm selbstsicheren Lebensführung: sie ist Freiheit. Sie ist das. \J mchs de» Menschen zum Menschen macht, was ihn mehr sein läßt als i ein.Stück der Natur: das große Geheimnis, das große Wunder, das | nur verstehe», indem wir es erleben.!; Tie Feier eines neuen- Anfangs will das Neujahrsfest sein: »nb! der Bersöhnnngstag will das alte Schnldbuch vernichten, damit ein j ne lies üctv» an heben kann.- das nicht mit alten Bürden und Schulden i belastet ist. Es ist das.Großartigste^ aber auch das Schwierigste itvioder Mensch erfährt, sich am Beginn eines neuen Daseins zu wissen.! »einer lebt, der nicht manches Blatt seiner Vergangenheit gerne ge- - eilgt sähe, den nicht so vieles Alte matt und müde und verdrossen gemacht. Nur wer frei ist. wer nicht versinkt Und ertrinkt in der Vielheit der Tinge, Ivcr sich als Herren fühlt und nicht als Knecht, der ist mehr als Natur, der ist Mensch. Immer von neuem anfangen können, den Mut' der Freiheit besitzen: das sind rechte Neujahrswiinschc. So ivollen wir jetzt uns und anderen nur wünschen, Menschen Zu sein. Wenn die Mus» der Feiertage uns dazu Hilst, daß wir uns wisder- .f'.ndcn, als freie Meusckxm Entdecken. dann haben sic ihre Schuldigkeit getan: und wir auch. ' /