Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Ernst Rudolf Mayer (Mannheim): Choreographisches
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 94 (sequence 3)
- Language
- German
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Eignung, mit dem Rampenlicht. Die damalige Händelrenaissance zog die Bewegungschöre ganz besonders zur Mitarbeit heran. Diese ganze Tanzform aber hatte ihre Wurzel in der Freude an natürlicher Bewegung des Körpers, an der ästhetischen Form musikalischer Bewegung. Die Zeit des gekünstelten, unnatürlichen Balletts war vorbei . . . Damals wurde der Grundstein zu einer neuen Tanzform gelegt, die heute zwar noch stets nicht „i h r e" Form gefunden hat, die aber auf gesundem Empfinden und körperlicher Schönheit aufgebaut ist und einem klassischen Ideal sich zumindest nähert. Im klassischen Trauerspiel hat sich diese Tanzform zur bewegungstechnischen Untermalung als einzigartig erwiesen. Versuche, die schon viele Jahre zuvor, in ähnlicher Weise, in Frankreich unternommen wurden, haben wenig Resultat gezeitigt, ja sie haben nicht einmal den in Paris noch immer wütenden Kampf zwischen „maillot" und „beinfrei" entscheiden können! Ein anderes Kleidungsstück, das zwar nicht ganz abgelegt wurde, hat sich aber immerhin in entscheidender Form gewandelt: Aus dem guten alten Ballettschuh, mit auswattierter Spitze, wurde der Stepschuh mit Eisenbelag. Die große Mode in Tanz und Haus ist der Steptanz. Ganze Mengen junger Mädels, die früher brav für den Hausgebrauch Klavier und vielleicht recht und schlecht Malerei nebst obligatem Gesangsunterricht studierten, üben sich heute im Step- und Taptanz. Was in Amerika an dieser Tanzform mit ihrer sehr wandlungsfähigen Nebenform verkonsumiert wird, ist nicht zu beschreiben. Ein Hinweis auf die seit Jahren erscheinenden Filme dieser Art mag genügen. Bis zu welcher Perfektion man sich in diesem Tanzstil bilden kann, ist da mehr als sichtbar. Neugierig kann man nur sein, zu welcher Form sich dieser Tanz weiterentwickeln wird. Die tollsten Versuche und Kombinationen werden schon angestellt . . . Und welcher Gegensatz in der äußeren Aufmachung dieses Tanzes, dem früheren gegenüber. Eine Reaktion und Revolution auf der ganzen Linie: das Unbekleidetsein der Girls mußte ja die Folge falscher Ballettprüderie sein. Was ist nun „Choreographie"? Eigentlich heißt es ja „Tanzschrift"; heute hat es die Bedeutung des „Entwurfes der Tanzszenen". Die Einstudierung braucht dabei nicht unbedingt einbegriffen zu sein. Zum Punkt der „Einstudierung" gestatte man einige Bemerkungen „pro domo": es ist schon sehr schwer, einem erfahrenen Tanzensemble den Begriff und das Gefühl für die statische Ruhe einer rein klassischen Operntanzszene beizubringen; dies aber einem Laientanzchor so anzuerziehen, daß noch eine einigermaßen künstlerische Leistung dabei herauskommt, erfordert übermenschliche Geduld. Hat man dann dazu noch fast durchweg 94