Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Ernst Rudolf Mayer (Mannheim): Choreographisches
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 4)
- Language
- German
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ganz junge Menschen zur Verfügung, die den Ernst einer solchen Aufgabe gar nicht erfassen können, so kommt noch Anforderung an die pädagogische Begabung des Leiters' hinzu. Nachher wirkt es wie ein Wunder, wenn in der Aufführung alles so geht, wie man es sich in seiner, durfch äußere Umstände und Tücken des Objekts schon um ein Vielfaches herabgeschraubten Phantasie dachte. Als ich im letzten Spieljahr im Mannheimer „Kulturbund" vor eine solche Aufgabe gestellt wurde, mit reinen Laien die Bewegungschöre für den Gluckschen „Orpheus" einzustudieren, glaubte ich vor einer unlösbaren Aufgabe zu stehen. Ob es das Wunder des Gemeinschaftserlebnisses war oder das persönliche Beteiligtsein jedes Einzelnen am Werk, das Sehen und Erleben einer Entwicklung bis zur endgültigen Geburtsstunde ... es ist mir heute noch ein Rätsel, daß eine solche Arbeit für Laien zu bewältigen war, trotz der immerhin langen Probezeit. Und wenn alle die Mädels (es war nur ein Damenbewegungschor zur Verfügung) hie und da unter Stoßseufzern bekannten, daß dies doch so langweilig sei und warum sie nicht lieber in einer Tanzoperette als Girls mitwirken dürften, so konnte man dies ihnen nicht einmal übel nehmen; denn solche stärkste Konzentration verlangende Arbeit hätte ab und zu einer Lockerung bedurft und diese Lockerung haben sie inzwischen erfahren, da sie in „Pariser Leben" die ersehnten Girlstänze ausführen durften. Man könnte über den Punkt „Choreographie" noch so manches schreiben, Ernstes und Heiteres. Die Tanzkunst wird von allen denen, die mit ihr zu tun haben, stets als etwas besonders Ernstes angesehen, eigentlich mehr, als die Schwesternkünste der Szene. Sie ist in ihrem schöpferischen Gestaltungswillen wohl die schönste und fundamentalste der Szenenkünste; in ihrem Wirkungskreis zu schaffen, ist eine harte, aber wundervolle Arbeit . . . L 95