Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Ernst Rudolf Mayer (Mannheim): Choreographisches
- Date
- 1938-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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„Damals waren noch andere Zeiten", sagen die uns stets belehren wollenden älteren Herrschaften. Die einzig treffende Gegenbemerkung unsererseits könnte dazu lauten: „Allerdings!" — Die „süßen" Spitzenröckchen sind zu ästhetischen, je nach Art der geforderten Tanzform geschnittenen Gewändern geworden, und die prüden Beintrikots sind ganz verschwunden. Dieser Punkt war wohl einer der größten Kriege, innerhalb der Bühnenwelt. Wenn man bedenkt, daß an einigen der größten Opernbühnen dieser Kampf noch tobt und das Trikot noch den Kampfplatz mühsam zwar, aber zäh verteidigt, klingt das unglaublich. Und doch ist es so. Kein vernünftiger Mensch kann zwar erklären, warum die heutzutage meist besonders schön und ästhetisch gewachsenen, jungen Tänzerinnen dieser Bühnen nicht ihre Beine so zeigen dürfen, wie sie von der Natur erschaffen sind ... in den Revues, im Film tun sie das doch auch, und man kann getrost behaupten, daß daran niemand etwas Anstößiges finden wird, am wenigsten sicherlich die Kreise, die das „gute, alte Trikot" (in der Fachsprache „maillot" genannt) so verteidigen! Vor ungefähr fünfzehn Jahren kam die Zeit der „Bewegungschöre" auf. Laien aus allen Kreisen wurden gesucht, diese Chöre zu bilden, die an Bewegung das auszuführen hatten, was der Singchor zu singen hatte. (Unterstützt vom an jedem Theater „stehenden" Hausballett.) Jünglinge und Mädels guter Bürgerkreise, die natürlich ganz besonders theaterinteressiert waren, meldeten sich in Scharen zu diesen Laienchören, zum größten Entsetzen der biedern Eltern und der gestrengen Lehrer. (Ein großer Teil des Bewegungschors setzte sich aus Schülern der damaligen „Höheren Schulen" zusammen.) So machte man Bekanntschaft mit der angebeteten Bühnenwelt, ja sogar, je nach Szenenbild aus „Die Flamme"