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Pult und Bühne · 1938-01-01 · 1938 · p. Seite 46

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Pult und Bühne
Volume
1938
Article
Max Ehrlich: "Die neue Revue soll ja sehr nett sein"
Date
1938-01-01
Page
Seite 46 (sequence 5)
Language
German
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wird, als man sich vorgenommen hat. Ein Händedruck von mir sagt ihm, daß wir Beide hier unter Zahlen die einzig fühlenden Brüste sind. Schweißbedeckt verlasse ich den Raum, um mich als Privatperson gemütlich am Abend mit meinen „Etatsmäßigen" am Biertisch zu treffen. Und hier sei mein Trick verraten, mit welchen Mitteln ich manchmal die Bewilligung durchsetze: Für die letzte Revue-Dekoration hatte ich ganz sinnlos im Etat einen Springbrunnen aufgestellt. Ich versteifte mich darauf, daß dies ein echter Springbrunnen sein müßte und malte vor den Gewaltigen aus, wie die Zuschauer in Begeisterungsapplaus ausbrechen würden, wenn der Vorhang sich öffnen würde und sie eine von dreifarbigen Scheinwerfern beleuchtete Cascade erblicken würden. Ihre Augäpfel glänzten und ich bemerkte, wie künstlerisches Gefühl und zahlenmäßige Verantwortung in der Brust des Verwaltungsrates einen bitteren Streit miteinander ausfochten. Am Schluß siegte die Zahl. „Wir können über die festgesetzte Summe nicht hinaus", erklärten sie mir. Ich schluckte ein paar ungeweinte Tränen herunter und sagte mit brechender Stimme: „Dann streichen Sie mir bitte den Springbrunnen!" Sie taten es, ich ging wankenden Knies hinaus und hörte dann draußen durch die nur angelehnte Tür, wie sie sagten: „Er wird alt, er hat sich etwas streichen lassen." Ich aber ging frohgemut nach Hause und hatte den Etat so durch, wie ich es mir vorgestellt hatte . . . Nun beginnt die Probenarbeit. In der einen Ecke probiert der musikalische Leiter der Kleinkunstbühne, Werner Baer, die Duette, Ensembles mit den Darstellern und dem kleinen Orchester. In der anderen Ecke habe ich eine Besprechung mit dem technischen Leiter des Kulturbundes, Dipl.-Ing. Sondheimer, es beginnen die Soloproben, es beginnt die freudige Arbeit des Neuschaffens auf der Stellprobe und auf den Stückproben. Die Dekoration ist nur angedeutet, zwei aneinandergestellte Stühle bedeuten eine Couch, eine auf den Bühnenfußboden gelegte Latte bezeichnet das Ende der Dekoration. Es wird gefeilt, gefeilt, gefeilt und eines Tages „steht" das Stück. Man hat den Eindruck, es könnte an diesem Abend schon die Premiere sein. Am nächsten Tag aber steht zum ersten Mal die wirkliche Dekoration und man hat das Gefühl, daß die ganze Arbeit umsonst gewesen sei. Es heißt noch einmal von neuem anfangen und die vertrauten Situationen jetzt in die wirkliche Dekoration hineinzuversetzen. Dann kommt die Kostümprobe und dann die Generalprobe. Unten sitzen Angehörige des Hauses, die abends selbst zu tun haben und die Vorstellung sonst nicht sehen könnten. Man achtet scheinbar nicht auf sie; in 46

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