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Pult und Bühne · 1938-01-01 · 1938 · p. Seite 47

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Pult und Bühne
Volume
1938
Article
Max Ehrlich: "Die neue Revue soll ja sehr nett sein"
Date
1938-01-01
Page
Seite 47 (sequence 6)
Language
German
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Wirklichkeit beobachtet man ganz genau die Reaktion ihrer Mienen. Man weiß: an den Stellen, bei denen die Zuschauer, die das jetzt zum ersten Mal sehen, lächeln, lacht das Publikum am Abend und da, wo sie lachen, applaudiert es. Was auf den letzten Proben durch sogenanntes „Ueberprobieren" schon langweilig erschien, entsteht zu neuer Wirkung. Man kontrolliert den Gesamteindruck, man korrigiert hier, streicht dort, und es geht bei dieser Hauptprobe zu einem lustigen Stück gar nicht so lustig zu, wie man es sich vorstellt. Darf ich verraten, daß die Generalprobe zu unserer letzten Revue „Von Romeo bis Streichquartett" ... 22 Stunden gedauert hat? Nachdem wir ungefähr 16 Stunden geprobt hatten, und bereits am Ende unserer Kräfte angelangt waren, mußte ich feststellen, daß wir unbedingt das ganze Stück noch einmal durchproben mußten. Ich wurde von den Mitgliedern nicht gerade sehr freundlich angeblickt, als ich diese Meinung äußerte. Ich sagte eine einstündige Pause an, ging zu unserer Kapelle, bat sie leise, einen flotten Foxtrott zu spielen. In die erschlafften Mienen der Darsteller kam Leben, der Buffo verbeugte sich vor der Garderobiere, ein Bühnenarbeiter forderte die Soubrette auf und in den nächsten fünf Minuten tanzte das ganze Ensemble. Ich ließ die Musik abbrechen und sagte: „Kinder, wenn wir so vergnügt zusammen sind, machen wir jetzt das ganze Stück nochmall" Und dann probten wir weitere sechs Stunden . . . Am nächsten Tag kommt dann die Premiere mit ihren Aufregungen und dann schließt sich an diesem Abend zum letzten Mal der Vorhang und es klopfen einem viele auf die Schulter, die es „genau gewußt hätten, und es ja schon immer vorher gesagt hätten, wie großartig es wäre . . ." Und der künstlerische Leiter, Mitautor, Regisseur, Darsteller dieser Aufführung fällt dann gegen vier Uhr morgens in sein Bett, um in einen vierundzwanzigstündigen Schlaf zu versinken in dem ihn Intendanz, Verwaltungschefs, Kollegen, Rezensenten als neckische Englein im Traum umhüpften. Abends trifft er sie persönlich und sie wollen ihn am liebsten vor Freude auffressen. Ungefähr acht Wochen später bedauern sie dann, daß sie es nicht tatsächlich getan haben. 47

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