Pult und Bühne
- Journal
- Pult und Bühne
- Volume
- 1938
- Article
- Max Ehrlich: "Die neue Revue soll ja sehr nett sein"
- Date
- 1938-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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einem Schlage ihr Innenleben. Zornesfalten erscheinen auf ihrer Stirn, Blitze sprühen aus ihren Augen, das Kinn streckt sich energisch 4 cm nach vorn. Ihr Atem staut sich und dem Gehege ihrer Zähne entfliehen stoßweise nur Vokabeln wie: „Ausgeschlossenn Niemals!! Viel zu viel!! Wer soll denn das verantworten?!!!" Ich habe es erlebt, daß ich mit Verwaltungschefs gemütlich zusammensaß und daß, als ich fragte, ob heute der 14. oder 15. wäre, die eben noch freundlichen Menschen sich beim Nennen dieser unverfänglichen Zahl automatisch in Etatressortchefs verwandelten und mir statt der Datenangabe ein wütendes „das ist viel zu viel!" über den Biertisch zuschrien. Zu den Verwaltern dieses Ressorts muß ich mit unserer Revue gehen, um die Bewilligung der notwendigen Gelder zu erreichen. Ich sehe nach, ob die letzte Lebensversicherungspolice bezahlt ist, drücke meiner Frau fest die Hand und beichte ihr, daß sich im Lexikon Band 5 („Distanzgeschäft bis Faidherbe") auf Seite 815 der letzte vor ihr sorgsam gehütete Hundertmarkschein befände, den sie, falls ich von dem schweren Weg nicht lebend wiederkommen sollte, für die Erledigung der letzten Formalitäten benutzen möge. Ich ziehe mir ein Hemd an, das zwei Nummern zu weit ist, um etwas elender und mitleiderregender zu erscheinen und mache mich auf den Weg. Von teilnahmsvollen Blicken der Sekretärin begleitet, gehe ich durch die Tür des Verwaltungsbüros und komme mir vor wie Dante: „Ihr, die Ihr hier eintretet, laßt alle Hoffnung fahren!" Eisige Blicke empfangen mich. Ein wilder Ringkampf entsteht, schutzsuchend flüchte ich mich zum Intendanten, dem das Künstlerische mehr liegt als das Zahlenmäßige. Mit leisem Äugenzwinkern erreicht er, daß etwas weniger heruntergehandelt