Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 12 (12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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250 No. 12 auf denen Rodelrennen abgehalten werden, mit ihren scharfen Kurven, sind nichts für Anfänger. Die erhöhten sportlichen Anforderungen haben in letzter Zeit zu einer Neuerung Veranlassung gegeben, zum Rodeln mit einkufigen Schlitten. Bislang galt allgemein das möglichst schnelle Herabsausen auf den Rodelbahnen als das schönste Vergnügen beim Rodeln. Jetzt will man aber mehr und mehr zum Kunstrodeln übergehen, d. h. zum Bogenfahren, zum Durcheilen von schwierig zu nehmendem Gelände, zum Entlanggleiten an weg- und steglosen Abhängen u. a. m. Demzufolge wird in Zukunft auf Wintersportfesten beim Rodeln nicht nur die Schnelligkeit, sondern auch die Kunstfertigkeit zu bewerten sein. Das Kunstrodeln ist erklärlicherweise auf zweikufigen Schlitten nicht ausführbar und man bringt deshalb zurzeit sehr zweckmäßig gebaute einkufige Schlitten in den Handel. Diese durchgehends sehr leicht und in haltbarer Form gebauten Schlitten, deren Kufen ungefähr 5 cm breit und mit schmalen Auflageschienen versehen sind, finden überall BeifalL Man sieht übrigens ganz und gar davon ab, an einkufige Rodeln irgendwelche Lenk- und Bremsvorrichtungen anzubringen, weil es sich erwiesen hat, daß die Schlittschuhe an den Füßen als Hilfsmittel zum Lenken und Bremsen in der Wirkung und Zuverlässigkeit von keinem Mechanismus auch nur annähernd erreicht werden können. Man nehme sich Zeit beim Bergaufziehen des Schlittens. Jedes Jahr müssen die Aerzte Fälle von Lungenentzündung beobachten, die dadurch entstanden, daß die Leute (auch Erwachsene!) zur Höhe hetzten, um möglichst bald wieder abfahren zu können. Keuchend kommen sie oben an, keuchend atmen sie mit offenem Munde die eisige Luft. Solche Unvernunft diskrediert den schönen Sport. Der S k e 1 e t o n ist ein niedriger Schlitten, mit Polsterung versehen, den der Fahrer liegend, mit dem Qesicht nach vorne, den Füßen nach hinten, lenkt. Der Bobsleigh., kurz „Bob" genannt, ein mehrsitziger Schlitten mit Steuerung. Die mit ihm zu erzielende Geschwindigkeit ist sehr groß- In welcher Gegend der freundliche Leser nun wohnen möge, stets wird er Gelegenheit finden, wenigstens eine der beschriebenen Wintersportarten zu pflegen. Zieht hinaus, liebe Freunde, aus dem leeren Treiben der Gesellschaft in die Herrlichkeit des Winters! Monatsschau. Der Hebräertag In Lemberg (am 19. und 20. November). Bereits lange vor der feierlichen Eröffnung war der große Jad-Charuzim-Saal überfüllt. F.s herrschte Sabbatstimmung. An den Wänden in großen sichtbaren Lettern die Losungsworte der Einberufer: „Ohne hebräische Sprache keine Thora, ohne Thora kein jüdisches Volk"; „Belebet die Sprache der Väter, denn sie enthält das Geheimnis unserer nationalen Auferstehend", und über den Bildern hebräischer Dichter und dem Bilde Herzls seine Worte: „Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen". — Was wir im Saale vor uns hatten, war wirklich ein Märchen. Altersgraue Kaftanjuden und Mittelschüler, Schriftsteller. Journalisten, Lehrer neben Hochschülern, Damen, Schülerinnen, Menschen aller Schichten, Berufe, aller Parteien. — Die Vertreter der extremsten Orthodoxie und die jugendlichsten Freigeister, die Repräsentanten des. zio-