Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 12 (12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4921092-5965121-5965332--3170-4925962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
No. 12 251 nistischen Central-Comites und die Delegierten der Lemberger Kultus-; gemeinde, die heißesten Landespolitiker und die Sendlinge des Bnei-Brith. Die feierliche Stimmung wurde nur durch Hedadrufe und Akklamationen unterbrochen, die neu angekommenen, unerwarteten Gasten galten. Der Hebräertag wurde von Dr. Philipp Korngrün, dem Präsidenten des hebräischen Schulvereins, in einer kurzen, ernsten Rede um zwölf Uhr mittags eröffnet. Redner gab der tiefen, freudigen Rührung Ausdruck, die \alle heute beseelt. Es ist der erste Tag, an dem wir unsere bescheidenen Verstecke verließen, unsere Kraft und Macht der ganzen Welt zu zeigen. Wir haben keinen Grund, uns im Hintergrunde zu halten. Die hebräische Sprache, die in uns lebt, hat ein Recht, zu leben, die Kräfte, die in uns schlummern, ein Recht, sich zu entfalten. Zweck des Hebräertages ist, die ungeahnte Energie in wirkliche Tat umzuwandeln. Schon die Tatsache des Hebräertages ist ein Sieg, eine Demonstration ersten Ranges. Der Hebräertag hat aber schwere Arbeit zu leisten, nicht nur zu demonstrieren. Vor allem gilt es, eine einheitliche Organisation zu schaffen, die Schulen zu sichern, die Lehrer zu bilden und zu unterhalten, Institutionen zu erweitern oder neu zu bauen, Arbeit von Jahrzehnten zu leisten. — Der Hebräertag ist der Anfang einer neuen Epoche. Einem Tage der Hebräer sollen und werden Jahre hebräischer Kulturarbeit folgen. — Nach dieser Rede wurde zum Präsidenten der Versammlung Dr. OsiaS Thon gewählt, der dann den Repräsentanten der angemeldeten Organisationen das Wort zur Begrüßung erteilte. — Dann sprach Dr. Osias Thon Uber die Entwicklung der hebräischen Sprache und Kultur in Galizien im Laufe des letzten Jahrhunderts. Vor Schluß der ersten Sitzung wurden die wichtigsten der über 150 Begrüßungsschreiben und Depeschen vorgelesen. — Hedadrufe und das Hatikwahlied schlössen die erste Sitzung. Die Nachmittagssitzung begann nach Erledigung des Einlaufes mit dem Referate des Herrn Dr. Israel Rath über „Die Organisation der Hebräer Galiziens und der Bukowina". Ihm folgte das Referat des Herrn Dr. Chaim Tartakower über „Die hebräische Volkserziehung". Als wir den Saal verließen, bemerkten wir erst, daß alle Fenster der großen Bernsteingasse, die fast nur von Juden bewohnt wird, festlich illuminiert waren. Es war licht und fröhlich bei den Juden Lembergs, dem Hebräertage zu Ehren. — Der zweite Tag war praktischen Fragen des hebräischen Schulwesens in Galizien und der Bukowina gewidmet. Am 20. November, um 9 Uhr vormittags, wurde im Saale der Tonbeehalle die Konferenz des hebräischen Schulkomitees, an welcher 62 Bevollmächtigte von 32 Schulen teilnahmen, eröffnet. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Philipp Korngrün gewählt. Als erster sprach über den jetzigen Stand der hebräischen Schulen Dr. David Klinghofer, der auf Grund reichhaltigen statistischen Materials die Ergebnisse einer vom, hebräischen Schulvereine veranstalteten Enquete auseinandersetzte, aus denen vor allem die Tatsache erhellt, daß wir trotz ungeheurer Schwierigkeiten fast ohne alle materiellen Mittel, ohne Unterstützung, gegen den Willen der Behörden über etwa 40 Schulen verfügen, in denen 4000 Kindern hebräischer Unterricht nach der natürlichen Methode erteilt wird. Ueber die praktischen Vorschläge der Leitung des hebräischen Schulvereins referierte in klassischem Hebräisch Dr. Moses Feuermann (Lemberg). Als Dritter referierte der Präsident des hebräischen Lehrerverbandes, Raphael Sofermann, über „hebräische Kindergärten und hebräische Lehrerkurse". Um 5 Uhr nachmittags ergriff Dr. Philipp Korngrün das Wort zum «Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit des hebräischen Schulvereins im