Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 12 (12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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246 No. 12 gewinnen. Wir müssen dieser Jugend nicht nur die Muskeln stärken und Mut einflößen, sondern in erster Linie sie vor Erschlaffung ihrer Muskeln retten. Wer die Lebensweise eines orthodoxen Bochers kennt und weiß, wie er, ohne sich recht gewaschen zu haben, schon zeitlich früh in die Klaus (Bethaus) eilt, wo er 4 bis 5 Stunden über eine Qemore oder Midrasch hockt, der kann den Wert des Turnens für diese Jugend nicht zu hoch schätzen. Dieser Jugend müssen wir Aufklärung geben und sie lehren, was die Hygiene von ihr fordert, mit einem Worte: wir haben sie vor vollkommener Degeneration zu erhalten, indem wir sie zu Turnern erziehen. Nun hat man den Weg angetreten; den jüdischen Turnvereinen in den größeren Städten gelang es schon, einen Teil dieser jüdischen Jugend für sich zu gewinnen. Mit der größten Genugtuung schaut man dem Turnen einer solchen Riege zu, in welcher sich .einige Bachurim befinden. Derselbe, der vor kurzem noch den ganzen Tag, bei der Qemore schockelte, steht hier grade und wohldiszipliniert. Bei diesem kleinen Teil erkennen die jüdischen Turnvereine ihr Verdienst, nun sollten sie trachten, es zu vergrößern, denn nur dann werden sie ihre Aufgabe wirklich lösen können. In den Städten Tarnow, Rzeszow, Jaroslau usw. leben Hunderte >von jungen Leuten, die man zum Turnen heranziehen sollte und die man leicht gewinnen könnte. Nur müssen die bestehenden jüdischen Turnvereine mehr Initiative haben. Immer wieder hört man die Klagen, daß ein Saal fehle. Es ist wahr, nicht leicht findet man einen Turnsaal, zumal die polnischen Turnvereine „Spkol" mißtrauisch auf uns blicken und die Juden der polnischen Gesellschaft assimilieren wollen. Aber man findet einen Ausweg, wenn man ihn sucht. In jeder Stadt kann man einen Vereinssaal finden, in dem man anfangs wenigstens schwedische Gymnastik treiben könnte und allmählich würde man Mittel zur Vergrößerung finden. Aller Anfang ist schwer. Nur auf diese Weise werden wir die Juden Galiziens für unsere Sache gewinnen, nur auf diese Weise werden wir aus schwindsüchtigen Juden muskulöse Juden machen und der „Judenjunge" wird zum „Jungen Juden" werden. Makkabäer — Makkabisten. Von Julius Hirsch -Berlin. Das Chanukafest, das uns alljährlich von neuem an die Heldentaten unserer Ahnen erinnert und in uns Ansporn und Nachahmung wachruft, dieses Fest gibt mir in diesem Jahre Gelegenheit, der jüdischen Turnerwelt von einem Kampfe zu berichten, der nicht von Makkabäern, sondern von „Makkabisten" ausgefochten wurde. Unten, im östlichen Winkel Europas, hat in den letzten zwei Jahren ein wichtiges Stück jüdischer Geschichte gespielt. Die jüdische Jugend der Türkei hat sich aufgerafft und einen frischen, gesunden Zug in das Leben der ottomanischen Juden gebracht. Der national-jüdische Turngedanke brach sich unter den Juden des Orients Bahn, und seine Verfechter haben einen sehr schweren Stand gehabt gegenüber einer Bevölkerung, der zum großen Teil die schlechten Eigenschaften des Orientalen, wie Indifferentismus und Schwerfälligkeit, zu denen sich noch die größte Unwissenheit gesellt, eigen