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Jüdische Turnzeitung · 1911-12-01 · 12 (12.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
12 (12.1911)
Date
1911-12-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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243 der Vater in die kleinen Lichter hinein. Es wurde schließlich mehr, als er ihnen sagen konnte und wollte, weil es noch über ihrem Verständnis war. Er hatte, als er sich entschloß, zum alten Stamme heimzukehren und sich zu dieser Heimkehr offen zu bekennen, nur gemeint, etwas Ehrliches und Vernünftiges zu tun. Daß er auf diesem Heimweg auch eine Befriedigung seiner Sehnsucht nach dem Schönen finden würde, das hatte er nicht geahnt. Und nichts Qeringeres widerfuhr ihm. Die Menorah mit ihrem wachsenden Lichterschein war etwas gar Schönes, und man konnte sich dazu erhabene Dinge denken. So ging er her und entwarf mit seiner geübten Hand eine Zeichnung für die Menorah, die er seinen Kindern übers Jahrs schenken wollte. Frei gestaltete er das Motiv der acht gleich hoch auslaufenden Arme aus, die rechts und links in der Ebene des Stammdurchschnittes liegen. Er hielt sich an die steife überlieferte Form nicht für gebunden, sondern schuf wieder aus Natürlichem heraus, unbekümmert um andere Deutungen, die ja darum auch ihr Recht behalten mochten. Er war auf lebensvolle Schönheit aus. Doch wenn er auch in die erstarrten Formen eine neue Bewegung brachte, hielt er sich dennoch an ihr Gesetz, an den vornehm alten Stil ihrer Anordnung. Es war ein Baum mit schlanken Aesten, deren Enden wie Kelche sich ^schlössen, und in diesen Blütenkelchen sollten die Lichter stecken. Unter so gedankenvoller Beschäftigung verstrich die Woche. Es kam der achte Tag, an dem die ganze Reihe brennt, auch der treue neunte, der Diener, der sonst nur zum Anzünden der übrigen da ist. Eine große Helligkeit strömte von der Menorah aus. Die Augen der Kinder glänzten. Unserem Manne aber wurde das Qanze zu einem Gleichnis für die Entflammung der Nation. Erst eine Kerze, da ist es noch dunkel, und das einsame Licht sieht noch traurig aus. Dann findet es einen Gefährten, noch einen, noch mehr. Die Finsternis muß weichen. Bei den Jungen und Armen leuchtet es zuerst auf, dann schließen sich die anderen an, die das Recht, die Wahrheit, die Freiheit, den Fortschritt, die Menschlichkeit, die Schönheit lieben. Wenn alle Kerzen brennen, dann muß man staunen und sich freuen Uber das getane Werk. Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners am Licht. Ein Sportfest zum 5. Jüdischen Turntag. Von Fritz Abraham -Berlin. „Ein geturnter Rechenschaftsbericht" — so nannte hier Theodor Zlocisti vor Jahren das Schauturnen der Jüdischen Turnvereine vor den Delegierten des II. Zionisten-Kongresses, das der Gründung unseres Verbandes voranging. Am HI. und IV. Turntag haben wirs ebenso gehalten. Jedesmal sah man sich gedrungen, der Außenwelt und sich selbst in einer gemeinsamen turnerischen Veranstaltung Rechenschaft zu geben, darüber, wie die Periode von Turntag zu Turntag in turnerischer Hinsicht ausgenutzt, und welche Fortschritte zu verzeichnen seien. Am V. Turntag, Pfingsten 1912, soll's — nach einem Beschlüsse unseres Ausschusses — wieder so sein. Wieder wollen wir die seltene Gelegenheit der Fühlungnahme und Aussprache nicht vorübergehen lassen, ohne auch turnerisch zusammengewirkt zu haben. Und wieder soll es eine Rechenschaft sein, die wir bieten, wieder

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