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Jüdische Turnzeitung · 1911-12-01 · 12 (12.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
12 (12.1911)
Date
1911-12-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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242 No. 12 zahl von Uebergängen, die ihm selbst nicht leicht fielen, wenn er dies auch aus Trotz nicht sehen ließ. Als ein Mensch und Künstler von modernen Anschauungen war er doch mit vielerlei unjüdischen Gewohnheiten erwachsen und hatte aus den Kulturen der Völker, durch die ihn sein Bildungsgang geführt, Unvertilgbares in sich aufgenommen. Wie war dies mit seiner Rückkehr zum Judentum zu versöhnen? Daraus erwuchsen ihm selbst manche Zweifel an der Richtigkeit seines leitenden Gedanken, seiner idöe maitresse, wie es der französische Denker nennt. Vielleicht war die unter dem Einfluß anderer Kulturen großgezogene Generation nicht mehr fähig zu jener Heimkehr, die er als die Lösung gefunden hatte. Aber die nächste Generation würde schon dazu fähig sein, wenn man ihr noch bei Zeiten die Richtung gab. So bekümmerte er sich denn darum, daß wenigstens seine Kinder auf den rechten Weg kämen. Die wollte er von Haus aus zu Juden erziehen. Früher hatte er das Fest, welches die wunderbare Erscheinung der Makkabäer durch so viele Jahrhunderte mit dem Glänze kleiner Lichter bestrahlte, vorübergehen lassen, ohne es zu feiern. Nun aber benützte er diesen Anlaß, um seinen Kindern eine schöne Erinnerung für kommende Tage vorzubereiten. In diese jungen Seelen sollte früh die Anhänglichkeit an das alte Volkstum gepflanzt werden. Eine Menorah wurde angeschafft, und als er diesen einarmigen Leuchter zum erstenmal in der Hand hielt, wurde ihm eigentümlich zu Mute. Auch in seinem Vaterhause hatten Ii* Lichtlein in einer nun schon entlegenen Jugendzeit gebrannt, und es war etwas Trauliches und Anheimelndes darin. Die Tradition nahm sich nicht frostig, nicht erstorben aus. Das war so durch die Zeiten herübergegangen, immer ein Lichtlein am anderen entzündet. Auch die altertümliche Form der Menorah regte ihn zum Sinnen an. Wann war der primitive Bau dieses Lichthalters geschaffen worden? Die Gestalt war offenbar einst vom Baum genommen worden. In der Mitte der stärkere Stamm, rechts und links vier Zweige, einer unter dem anderen, die in einer Ebene liegen, und alle acht sind gleich hoch. Eine spätere Symbolik brachte den neunten kurzen Arm, welcher nach vorne steht und der Diener heißt. Was haben die Qeschlechter, die aufeinander folgten, in diese ursprünglich einfache und von der Natur genommene Kunstgestalt hineingeheimnist? Und unser Mann, der ja ein Künstler war, dachte bei sich, ob es denn nicht möglich wäre, die erstarrte Form der Menorah wieder zu beleben, ihre Wurzeln >u tränken, wie die eines Baumes. Auch der Klang des Namens, den er nun an jedem Abende vor seinen Kindern sprach, gefiel ihm wohl. Es war ein Klang darin, besonders lieblich, wenn das Wort aus dem Kindermunde kam. Die erste Kerze wurde angebrannt und dazu die Herkunft des Festes erzählt. Die wundersame Begebenheit vom Lämpchen, das so unerwartet lange lebte, dazu die Geschichte der Heimkehr aus dem babylonischen ExiU der zweite Tempel, die Makkabäer. Unser Freund erzählte seinen Kindern, was er wußte. Es war nicht gerade viel, aber ihnen genügte es. Bei der zweiten Kerze erzählten sie es ihm wieder, und als sie es ihm erzählten, erschien ihm alles, was sie doch von ihm hatten, ganz neu und schön. Von da ab freute er sich jeden Tag auf den Abend, der immer lichter würde. Kerze um Kerze stand an der Menorah auf, und mit den Kindern träumte

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