Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 12 (12.1911)
- Date
- 1911-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3üdifdie Cumzettung. monatsUiriEt für die körperliche ßebung der 3uden ___Herausaegeben pon der TOdlMien Curnerfchaft, gTZahra. Ho. 12 Berlin e., mSSrtwh. 39 Dezember 19Ü Nachdruck der nachfolgenden Oririnalaufsatze ■st nur mit |*flMar Quellenangabe gestattet Die Menorah. Von Theodor Herzl. Es war ein Mann, der hatte die Not, ein Jude zu sein, tief in seiner Seele empfunden. Seine äußeren Umstände waren nicht unbefriedigend. Er hatte sein genügendes Auskommen und auch einen glücklichen Beruf, indem er das schaffen durfte, wozu ihn sein Herz hinzog. Er war nämlich ein Künstler. Um seine jüdische Herkunft und den Olauben seiner Väter hatte er sich schon lange nicht mehr gekümmert, als der alte Haß unter einem modischen Schlagworte sich wieder zeigte. Mit vielen anderen glaubte auch unser Mann, daß die Strömung sich bald verlaufen werde. Aber es wurde nicht besser, sondern stets ärger, und die Angriffe schmerzten ihn immer von neuem, obwohl sie ihn nicht unmittelbar betrafen; so daß nach und nach seine Seele eine einzige blutende Wunde war. Es geschah ihm min, daß er durch diese inneren und verschwiegenen Leiden auf deren Quelle, also auf sein Judentum hingelenkt wurde, und was er in guten Tagen vielleicht nie vermocht hätte, weil er davon schon so ferne war: er begann es mit einer großen Innigkeit zu lieben. Auch von dieser wunderlichen Zuneigung gab er sich nicht gleich deutliche Rechenschaft, bis sie endlich so mächtig war, daß sie aus dunklen Gefühlen zu einem klaren Qedanken erwuchs, den er dann auch aussprach. Es war der Qedanke, daß es aus der Judennot nur einen Ausweg gebe, und zwar die Heimkehr zum Judentum. Als dies seine besten Freunde erfuhren, die sich in ähnlicher Lage befanden, wie er selbst, schüttelten sie Uber ihn die Köpfe und meinten, er wäre in seinem Geiste verwirrt geworden. Denn wie könne das ein Ausweg sein, was ja nur die Verschärfung und Vertiefung des Uebels bedeute. Er aber dachte, daß die sittliche Not so empfindlich wäre, weil den neuen Juden jenes Gegengewicht abhanden gekommen sei, das unsere starken Väter in ihrem Inneren besaßen. Man spöttelte hinter ihm drein, manche lachten ihm sogar unverhohlen ins Gesicht, doch ließ er sich durch die albernen Bemerkungen von Leuten, deren Einsicht er früher nie hoch zu schätzen Gelegenheit gehabt, nicht irre machen und ertrug die bösen oder guten Soherze gelassen. Und da er sich im übrigen nicht unvernünftig gebürdete, so ließ man ihn allmählich sich seiner Schrulle hingeben, die freilich von einigen auch mit härterem Wort als eine fixe Idee bezeichnet wurde. Der Mann zog aber in seiner geduldigen Art eine Konsequenz nach der anderen aus seiner einmal gefaßten Meinung. Dabei gab es eine An-