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Jüdische Turnzeitung · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
[Seite] (sequence 15)
Language
German
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No. 11 225 städtischen Behörden waren durch den Bürgermeister Dr. Reicke, Stadtverordnetenvprsteher Michelet und Cassel, sowie Stadtrat Gehricke vertreten. Der Vorsitzende des „Verbandes der Deutschen Juden", Justizrat Horwitz, begrüßte die Anwesenden im Namen des Verbandes, der berufen sei, eine Qesamtorganisation der deutschen Judenheit aller Richtungen und Parteien darzustellen und die Rechte der deutschen Juden mit vereinten Kräften zu wahren. Justizrat Horwitz erstattete den Geschäftsbericht. Er schilderte die Tätigkeit der Kommissionen im abgelaufenen Zeitraum und hob besonders die vorbereitende Arbeit hervor, die die Korrespondenzkommission für Umfragen und statistische Arbeit geleistet hat. Er wies auf die Tätigkeit der apologetischen Kommission hin, die ein umfassendes Werk vorbereitet hat, das der Aufklärung über das Wesen des Judentums dienen soll. Auch die Einrichtung eines apologetischen Archivs ist in Angriff genommen. Er erklärte, der Verband habe sich zum anerkannten Zentralorgan für die Vertretung der Interessen der jüdischen Staatsangehörigen in Deutschland entwickelt. Er ist auf den verschiedensten Oebieten für die Interessen der deutschen Juden tätig gewesen: In der Schächtfrage haben die Bemühungen des Verbandes zur Annahme des bekannten, vom Abgeordneten Gröber gestellten Antrags im Reichstag geführt; wegen der Zurücksetzung der Juden im Heeresdienst sind auf Betreiben des Verbandes die wiederholten Erörterungen im Reichstage erfolgt. Ueber diese Frage hat der Verband auch eine besondere Broschüre veröffentlicht. Des weiteren ist der Verband wegen der Einstellung jüdischer Rekruten an den hohen jüdischen Feiertagen, wegen des Ausgleichs zwischen Sabbathheiligung und Sonntagsruhe, wegen der verfassungsmäßigen Heranziehung von Juden zum Schöffen- und Geschworenendienst und noch in mancher anderen Angelegenheit allgemein Jüdischen Interesses erfolgreich in Aktion getreten. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Baeck-Düsseldorf einen Vortrag über „Das Judentum unter den Religionen". Er führte u. a. aus: Das Judentum kämpfe um das Recht, „seinen" Olauben haben zu dürfen und sei deshalb mit Notwendigkeit tolerant. Das Judentum sei auch insofern interkonfessionell, als es für die Frömmigkeit in allen Bekenntnissen Verständnis und Anerkennung habe; es stelle so alles, was die Menschen verbindet, über das Trennende, und dürfe deshalb Jede Sache des menschlichen Fortschritts als seine eigene betrachten. Sodann sprach der Landtagsabgeordnete Rechtsanwalt Dr. Cohn» Dessau über das Thema: „Der Staat und die Juden." Er führte aus: Daß eine besondere „deutsche Judenpolitik" existiert, widerspricht eigentlich dem Geist der Gesetze; es gibt aber eine solche Judenpolitik. Dies zeigt sich in der in Preußen erfolgenden Vorenthaltung staatlicher Zuschüsse, wie sie an christliche Religionsgemeinschaften gewährt werden, in der unfreundlichen Behandlung jüdischer Ausländer sowie in der Ablehnung und Zurücksetzung Jüdischer Beamter. Die Regierung bekämpfe nicht die Rasse, sondern die Religion, weil dem getauften Juden alle Türen offen stehen. Der wahre Jude aber verachtet die Taufe, wenn sie aus äußeren Gründen und ohne innere Ueberzeugung erfolgt, als eine Lüge. Die Abwehr gegen die antisemitischen Strömungen liegt vor allem in der Aufklärungsarbeit, wie sie der Verband der Deutschen Juden zu seiner ersten Aufgabe gemacht hat. Danach sprach als dritter Redner Professor Dr. Goldstein-Darmstadt über „Das deutsche Geistesleben und die Juden". Der Vortragende würdigte den Anteil, den die Juden als praktische Arbeiter am Leben deutscher Wissenschaft auf allen nur möglichen Gebieten genommen haben. Er wies die antisemitische Legende, daß die Vermittlertätigkeit der Juden im deut-

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