Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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222 NO. 11 Halle und Geräten die rein sachlichen Vorbedingungen erfüllt, so wird sich der Betrieb als solcher beinahe von allein entwickeln. Wieviel anders im Sport mit seinen vielfach verschiedenen Betriebsarten, innerhalb deren Weitverzweigtheit gerade im Anfang bestimmt und klar der Weg gewiesen werden muß, und dies von nur einer Instanz, der Leitung, ohne Rücksichtnahme auf persönliche Einzelneigungen und Wünsche. Klare, selbstsichere Initiative der Leitung, ist das eine, was den Erfolg verbürgt, und das andere die vertrauensvolle blinde Gefolgschaft der Mitglieder auf den also gewiesenen Wegen. Besserwissende Krittelsucht und eigenbrödelndes Nörglertum sind nach dem oben Gesagten im Sportbetriebe nicht allein duldsam unschädlich, sondern, da ihre Aeußerungen gegen die Richtigkeit der Vorstandsdispositionen immer wieder Zweifel säen und damit die notwendige Geschlossenheit der Gefolgschaft illusorisch machen müssen, direkt schädlich. Darum müssen sie trotz anderer anzuerkennenden Erwägungen, auf die hier nicht eingegangen werden soll, im Sportbetriebe rigoros unterdrückt werden; schließlich ist doch auch die Sportabteilung kein Diskutierklub oder im besseren Falle physikalisch-physiopsychologisches Kolleg. Die für den Betrieb herangezogenen Sportarten sind ja auch glücklich alle nicht von gestern, und wenn man es nur hübsch so macht, wie man es anderwärts allerorts absehen kann, sollte der eigenen Urteilskompetenz wohl zu entraten sein. Es führt zu nichts und wirkt für den in sportlicher Verwaltung Erfahrenen kaum anders als komisch, wenn beispielsweise, wie in der letzten Wahlversammlung der Sportabteilung des Berliner Bar-Kochba über Wert und Unwert von Fußball und Hockey, deren Jedes Tausende von Anhängern zählt, debattiert wird. Als sich keine Uebereinstimmung erzielen läßt, soll ein Rundschreiben Klärung bringen mit dem erfahrungsmäßigen Erfolg, daß zur nächsten Versammlung statt der diesmal anwesenden, bereits streitstiberdrüssigen einige andere gleichfalls durch keinerlei Sachkenntnis in ihrer Urteilsphantasie beengte Mitglieder zur akademischen Klärung der Frage kommen, welchen Sport man treiben solle. Da ich Optimist bin, glaube ich, daß man auf diese Weise immerhin im Frühjahr mit dem Wintersport anfangen könnte, doch kann es auch länger dauern. (?)•) Wenn ich nun, statt dieses mir verfehlt erscheinenden, nach allen Seiten tastenden Verfahrens für den konkreten Fall ein besseres bezeichnen soll, so möchte ich vorschlagen: Nachdem sich der Abteilungsvorstand mit dem Sportausschuß auf einen bestimmten Sport geeinigt hat, wird nach Erledigung der Vorarbeiten und Verständigung des Vereinsvorstandes der Mitgliedschaft mitgeteilt, daß — sagen wir — der Hockeysport in das Programm aufgenommen wäre, die Vorarbeiten bereits abgeschlossen seien und am nächsten Sonntag das Training beginne, wozu sich die Interessenten mit der genau zu bezeichnenden Ausrüstung einfinden sollten. Da bereits zum darauffolgenden Sonntag ein Gesellschaftsspiel gegen einen fremden namhaft zu machenden Gegner vereinbart wäre (was natürlich auch sein muß), sei rege Beteiligung notwendig. Wie weit man mit den Vorarbeiten geht, ist ganz von dem bestehenden „Zug" in der Abteilung abhängig; der weiteste und am meisten vollkommene Schritt wäre der, daß man in unserem Falle außer den Torgerätschaften zur weiteren Vereinfachung des Verfahrens auch die notwendigen Oeräte, die *) Das Hockeyspiel hat inzwischen flott begonnen!