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Jüdische Turnzeitung · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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220 No. 11 stärker als bei den Turnern. Denn erstens fehlt dem Wetturnen jener die feste Tradition, die diese bindet. Dann aber weiß man, wie stark bei allen Wettkämpfen oft die Gefühle erregt werden, und man weiß auch, daß gerade beim weiblichen Geschlecht die Gefühlserregbarkeit so stark ist, daß die Gefühle verhältnismäßig leicht gelegentlich mit dem Verstände durchgehen. Wir sahen im Sommer einen Siebenkampf von Frauenabteilungen. Sie turnten Reck, Barren,' Pferd, Freiübung, Hochsprung, Weitsprung und Hangeln an zwei schrägen Stangen. Dabei wurde von einer jüdischen Turnerin folgende prachtvolle Barrenübung ausgeführt: Querstreckstatzschwingen am Ende des Barrens und dreimal Stutzhupfen vom beim Rdckschwingen, Vorschwingen und Kehrschwung zum Aussenquersitz rechts, Silzwechsel dnrch Vi Drehung rechts zum Aussenquersitz links hinter der linken Hand, Wendeschwung links in das Streckstützschwingen, beim Rdckschwingen Querliegesitz vorlings, Beugen und. Strecken der Arme, Einschwingen In die Holmengasse, beim zweiten Vorschwingen, Drehhebe aber den Holm zur Linken. v Ebenso läßt sich natürlich auch ein Wettkampf in volkstümlichen Uebungen veranstalten. Selbstverständlich hat am regulären Turnabend das Gerätturnen hinter die Freiübungen, die nie unter 20 Minuten dauern sollten, zurückzutreten. Viel Haltungsübungen für Rückgrat etc.! Wir verweisen auf die zweite Auflage des „Handbuches für Frauenturnabteilungen" von Dr. Neuendorff (zu beziehen durch die „Jüdische Turnzeitung"). Das wichtigste Feld turnerischer Winterarbeit sind indes die Jugendabteilungen. Es erübrigt sich hier, die Vereine an ihre Pflichten gegen den Nachwuchs zu erinnern. In die Jugendabteilungen gehören die besten Turnwarte, alle Experimente müssen ausgeschieden werden. Der Uebungsstoff umfasse viel Küren (durch Vorturner geordnet), rege und häufige Spiele, besonders aber alle Uebungen, die den Mut anerziehen; Kraftübungen sind im allgemeinen ausgeschlossen. Man vermeide das viele Produzieren bei Schauturnen etc., trotzdem es gut ist, den Ehrgeiz zu wecken. Das geschieht aber besser durch interne Veranstaltungen. In das Programm gehört die Aus- und Fortbildung der Turnwarte und Vorturner. Wo eine Vorturnerschaft noch nicht besteht, sollte sie geschahen werden. Der Berliner „Bar Kochba" hat jetzt ein neues Vorturnerstatut angenommen, das als Muster empfohlen sei. In den Kursen muß der Samariterdienst eine bevorzugte Stellung einnehmen. Dringend angeraten sei die Beschäftigung mit der Turnliteratur. Wir haben neuerdings den Vorschlag zu einer kleinen turnerischen Vereinsbibliothek ausgearbeitet, den unser Büro auf Wunsch versendet. Andere turnerische Veranstaltungen richten sich nach den lokalen Interessen. Die Schauturnen lassen sich nun einmal in keiner „Saison" umgehen. Da suche man aber wenigstens manch alten Zopf abzuschneiden un_ gehe von dem hergebrachten Aufbau ab. Nützt den Winter, turnt und turnt gut, damit Euch der Fünfte Jüdische Turntag bereit finde! Berlin, Ende Oktober. Erich Burin,

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