Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 11 (11.1911)
- Date
- 1911-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 11 219 3. Sorgfältigere Ausbildung der Vorturner auch auf geistigem Gebiet. Die Einrichtung von Lehrgängen — unter Umständen durch tüchtige deutsche Turnlehrer — ist ebenso wichtig, wie die Abhaltung von Schauturnen. 4. Ausnutzung des Sonntags für den Turnbetrieb durch Turnen und Spiele im Freien für den ganzen Verein, auch im Winter, und durch Wanderungen. 5. Gemeinsame turnerische Arbeit mit allen jüdischen Vereinen am Orte, die Leibesübungen treiben, unter Umständen auch mit deutschen Vereinen. Dann kann man turnerisch lernen. Verarbeiten wir nur einiges davon, so kann der Erfolg nicht ausbleiben; es genügt, wenn diese Gedanken anregend und befruchtend wirken. In erster Linie soll das für das Männerturnen gesagt sein. Dieses muß ferner durch Spiele und kann durch Ringübungen und, wo es geht, durch Fechten und Boxen erweitert werden. Riegenturnen mit Wertung trägt außerordentlich zu Fortschritten bei; wir empfehlen, nach dieser Richtung Versuche zu unternehmen, zunächst ohne den Charakter eines Wettturnens. Viel Neues gibt es auf dem Gebiet der Freiübungen; in der vorliegenden Nummer sind einige dankbare Gruppen zusammengestellt, die sich zwar nicht für das Gemeinturnen von Anfängern, wohl aber für das Riegenturnen eignen. Vielleicht teilt uns der eine oder andere der verehrlichen Herren Vereinsturnwarte mit, welche Erfahrungen er mit ihnen gemacht hat. Das Frauenturnen hat sich in den letzten Jahren Uberraschend entwickelt. Ordnungsübungen und Reigen werden immer mehr beschränkt, die Freiübungen dienen im wesentlichen nur noch rein körperbildenden Zwecken. Im Gerätturnen werden andauernd höhere Leistungen erzielt. Der alte Grundsatz, daß alle Uebungen im Abhang, sowie alle Uebungen des Spreizens und Grätschens zu vermeiden wären, ist längst durchbrochen. Uebungen wie Felgauf- und -Umschwung am Reck, Schrauben, Reitsitz, Kippe und Oberarmstehen am Barren kann man immer häufiger sehen. Es ist klar, daß wir mit jedem Jahrgang besser von den Schulen vorbereitete Mädchen in die Vereine hineinbekommen. Man kann es ihnen nicht verdenken, daß sie, da sie die einfacheren Gerätübungen sämtlich schon von der Schule her beherrschen, nach kräftigerer Kost verlangen. Denn in dem ständigen Erlernen von Neuem beruht der Reiz des Turnens; das ist sein Vorzug vor den meisten andern Leibesübungen. Gewarnt werden muß aber vor einer zu starken Anlehnung an das Männerturnen. Wenn auch das Frauenturnen »och im Werden begriffen ist, so hat es doch seine eigenen großen Noten, und unsere Damen sollten sich nicht von dem Effekt der Gerätübungen des Männerturnens blenden lassen. Wir legen es den männlichen Turnwarten und Vorturnern, die meistens Schuld daran tragen, nahe, sich gewissenhaft bei der Auswahl der Uebungen zu prüfen. Hauptforderung ist für unsere Frauenabteilungen: Ausbildung von Turnleiterinnen und Vorturnerinnen! Mit dem Aufblühen des Frauenturnens taucht der Wunsch auf, die Kräfte gegenseitig zu messen. Man kann dagegen kaum etwas einwenden. Aber sicherlich wird es sich vorläufig noch für lange empfehlen, Turnerinnenwettkämpfe nicht öffentlich stattfinden zu lassen. Wettkämpfe erzeugen nur zu leicht unerfreuliche Nebenerscheinungen. Diese Gefahr ist bei den Turnerinnen