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Jüdische Turnzeitung · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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218, No. 11 und planmäßig am Ausbau des Turnbetriebes arbeiten. Nach welchen Regeln er seine Tätigkeit im bevorstehenden Winter einrichten möge, das soll in den vorliegenden Ausführungen gezeigt werden. Die Turnerei hat im letzten Jahrfünft einen wesentlichen Umschwung erfahren. Leichtathletik und schwedische Oymnastik, Freiluftbestrebung und Staatshygiene, Naturverständnis und Umwertung der Schönheitsbegriffe haben stark und segensreich eingewirkt; denn das deutsche Turnen der Iahn- und Spieß-Schule war in seinen Formen, in seinem Frei- und Oerätturnen, stehen geblieben und hatte mit den Forderungen moderner Körperkultur nicht Schritt gehalten. Der Sport drohte ein gefährlicher Konkurrent des Turnens zu werden. Da hat man denn das Oute genommen, wo man es fand, Sport und Spiel weit in das Turnen einbezogen, und die „Deutsche Turnerschaft" faßte den bedeutsamen Entschluß, eigene Sportabteilungen zu errichten und gewisse Wettkämpfe nach sportlichen Grundsätzen auszuschreiben. So gehören schon heute zahlreiche Turnvereine der „Deutschen Sportbehörde für Athletik" an. Die Turnlehrerbildungsanstalten gingen weiter und propagierten neue Systeme von Freiübungen auf physiologischer Grundlage nach dem Muster der schwedischen Oymnastik. Auch im Gerätturnen, namentlich der Frauen, hat sich eine Umgestaltung vollzogen, die in guter Literatur niedergelegt ist. Mit dieser Neuordnung müssen sich alle, die es angeht, vertraut machen. Nirgends mehr als in unseren jüdischen Turnvereinen besteht die Not, daß der Turnbetrieb erstarrt. Lebendigkeit und Frische sollen ihn durchziehen, und unsere Hauptaufgabe ist, die Durchschnittsleistungen zu heben. Jeder, auch der Schwächste und Ungeschickteste, soll mit innerer Freude turnen und wahrnehmen, daß er kräftiger, gesunder, geschickter wird. Dabei wird er bald erkennen, daß unser Turnen als eine Kunst planmäßig betrieben wird, und daß ihm bei aller verwirrenden Mannigfaltigkeit der Formen natürliche Gesetze zugrunde liegen. Es ist wirklich hohe Zeit, daß unsere Turnwarte und Vorturner daran gehen, ihre Vereine in diesem Sinne fortzubilden, daß sie lernen, wie man die Turner fesselt und turnerisch weiterkommt. Die bisherige Gepflogenheit, planlos auf den Turnboden zu kommen und schlecht und recht das vorzuturnen, was man zufällig kann oder was einem gerade einfällt, ist scharf zu verurteilen und hat sich an einzelnen Vereinen bereits bitter gerächt. Es bedarf nicht einmal guter Turner, um ein Programm durchzuführen, und wir wollen die Aufgaben, die für die Ausbildung größerer Massen unserer Stammesgenossen vornehmlich zu lösen sind, wie folgt zusammenfassen: 1. Einfügung volkstümlicher Uebungen in den Uebungsplan, Aufnahme von Riegenfreiübungen unter die Gerätübungen, die nur irh Winter den Vorrang behaupten sollen. 2. An Stelle der geistanstrengenden Ordnungsübungen und der langen Folgen kunstvoll zusammengesetzter Freiübungen treten gesundheitlich wertvolle, einfachere Bewegungen. Der Aufbau von Oruppen erscheint unwichtig. Rumpfübungen stehen im Vordergrund, Atem- und Haltun«sübungen werden eingeführt. Einübung einer guten Ausführung weniger Hauptformen von Freiübungen beim Riegenturnen. Wenn es irgend gernsollen die Freiübungen auch im Winter im Freien gemacht werden (Atemübungen).

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