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Jüdische Turnzeitung · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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Malperti, „Die jüdischen Arbeiter in London": Die Hauptbeschäftigung eines russischen Juden bestand darin, an den Markttagen mit einem Pfropfen- 7-ieher auf dem Markte zu erscheinen, den Bauern die nur verschlossen verkauften Schnapsflaschen zu öffnen. Wenn es gut ging, verdiente der Mann 15 Kopeken am Tag. Dies, ein Beweis für die erbärmliche Lage, ist nach Sombart die „bekannte" Qeschichte. Ja allen bekannt, die entweder Ruppin oder Halpern gelesen haben. Sombart zitiert gleich weiter (Ruppin S. 55 nach Brodowski, wie R. selbstverständlich angibt): 1900 nahmen in Odessa 48 500 von 150 000 Juden die öffentliche Armenunterstützung in Anspruch. 63 Prozent aller Verstorbenen in Odessa mußten unentgeltlich, weitere 20 Prozent zu den möglichst niedrigen Sätzen begraben werden. Diese Seiten des Buches werden ganz gehörig ausgenutzt. * So geht es gemäß S. 55 bei Ruppin über Oalizien weiter: „Max Nordau hat für diese Existenzen das Wort .Luftmenschen' geprägt." (Wissen Sie, Herr Professor, wo dies Nordau sagt? Ruppin gibt es nicht an.) Ruppin und auch Sombart belegen dieses Luftmenschentum statistisch. Ruppin S. 55.: Es ist bezeichnend, daß die.Juden, die nur 11,09 Prozent der Bevölkerung ausmachen, mit 51,51 Prozent unter den „Selbständigen ohne Berufsangabs" und mit 39,80 Proz. in der Rubrik „Lohndienste wechselnder Art" vertreten sind. Wir sind bei Ruppin auf Seite 56 angelangt, und hier sagt der Verfasser und auch der Redner Sombart: Der Wochenverdienst beträgt meist 5 bis 7 Oulden. Bei dieser äußerst angreifbaren Zahl hätte Sombart auch die im Ruppin bezeichnete Quelle, nennen müssen. Ich hole es nach. Ruppin schreibet: „Von den mehr als 100 Handwerkerfamilien in kleinen galizischen Städten, die ich im Jahre 1903 aufsuchte und befragte, hatte die Mehrzahl einen Verdienst von 5 bis 7 Oulden." Also ureigene Zahlen von Ruppin. Von Ruppin selbst sind auch Sombarts Auswandererzahlen der Juden zusammengestellt. Es ist dies die Tabelle auf Seite 91. Ich glaube, es ist unnötig, die Sache fortzusetzen. Es gäbe ja noch Amerika und einiges andere; Angaben über Orthodoxie im Osten und Freidenkertum im Westen, die ein Außenstehender bei Ruppin und anderen jüdischen Schriftstellern leicht mißverstehen kann. Herr Professor, es gibt leider sogar russische Juden, die den Jörn Kippur durch ein Festessen begehen; andererseits ist die schwärzeste Orthodoxie in der Gegend des westdeutschen Frankfurt zuhause. In Fulda waren z. B. bisher am Sabbath alle jüdischen Geschäfte geschlossen. Wissen Sie, Herr Professor Sombart, wie es hingegen in Südrußland ist? Viele andere Tatsachen waren mißverstanden, kamen dadurch Ubertrieben und somit falsch heraus. Ich nenne nur, daß sich in Amerika selbst die jüdischen Multimillionäre keine gesellschaftliche Stellung erringen können. Die bekannte nordamerikanische jüdische Kolonie Woodbine mit 2000 Einwohnern, Farmern, sowie industriell tätigen Arbeitern, — auch eine Ackerbauschule ist dort — wird bei Sombart spitz und scharf zur Kleiderfabrik Woodbine. Ja nach Sombart sind wir Juden ein Wüsten-, ein Nomadenvolk. Wir werden nie seßhaft werden, niemals die dampfende Scholle lieben lernen. Am meisten bedaure ich, daß so sehr viel wichtige Dinge von Sombart unerwähnt blieben. Ich will noch einige Worte über Sombarts Art der Verwendung des anderorts entlehnten statistischen Zahlenmaterials sprechen. Statistische Zahlen haben nicht immer in ihrer nackten absoluten Größe Beweiskraft. Es

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