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Jüdische Turnzeitung · 1911-11-01 · 11 (11.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
11 (11.1911)
Date
1911-11-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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214 No. 11 semiten werden schwinden (es ist zu viel von Üasse und (Josse dabei); die Judengegner bleiben. Ein Mann der Gesellschaft ist nicht „Antisemit". Er meidet nur den Umgang mit dem seiner Art fremden Juden, Werner Sombart, der bekannte Volkswirtschaftler, spricht und schreibt über die Juden und legt Wert darauf, nicht zu den „Antisemiten" gezählt zu werden. Er ist rassestolzer Germane. Vor einigen Tagen sprach Sombart in Berlin über die Zukunft der Juden. Nein, er kündigte es nur an. Er tat es nicht. Er sprach über die Lage der Juden. Darauf aufbauend wird er später die Zukunft künden. Und die Juden werden alsdann wiederkommen. Reicher an Qedanken, reicher an Wissen haben wenige den Saal verlassen. Der jüngste Fuchs der unjüdischsten Verbindung jüdischer Studenten hätte das Thema gleich gut bewältigt. Vor allem, wenn man ihm Ruppin, „Die Juden der Qegenwart" vorher geschenkt hätte. Ich behaupte, Sombart hat viele tatsächlichen Angaben, besonders soweit sie wissenschaftlich erfaßbar sind, aus Ruppin zitiert, 1. ohne aus dessen Quellen direkt zu schöpfen, 2. ohne von dieser wichtigen Tatsache der Anlehnung Mitteilung zu machen. Beides Vorwürfe, die gegen einen Wissenschaftler nicht möglich sein sollten. Bei seinem Feldzug gegen die Reklame mußte sich Sombart von jungen Handlungsgehilfen berichtigen lassen; bei seinem Streifzug ins Judenland muß sich der Herr Professor von jungen Studenten belehren lassen. Nur ein einziges Mal hat Sombart Ruppins Namen erwähnt. Er berichtet von dem Schwitzsystem, unter dem nach Ruppin die eingewanderten jüdischen Kleiderarbeiter New Yorks ihr schweres Brot verdienen, und wie sie sich aus den Schwitzwerkstätten hinaus nach leichterem Erwerbe sehnen, den sie am liebsten in Ladenbetrieb und Spekulation suchen. Die einzige Tatsache des Abends mit Quellennachweis. (Ruppin S. 93.) Sombart zitiert aus allen Teilen von Ruppins Buch. Folgen wir der Gliederung seines Vortrags. Er spricht nacheinander von der Lage und der Entwicklungstendenz der Westiuden, Ostjuden und amerikanischen Juden. Die Bildungssucht der Westjuden beweist Sombart durch die Tatsachen, daß auf je 10 000 der Oesamtbevölkerung der gleichen Konfession höhere Knabenschulen besucht werden: in Preußen von 61 Christen, jedoch von 385 Juden (1906), in Berlin von 102 „ „ „ 430 „ (1905), Ruppin S. 120. Der Schönheitsfehler der zeitlichen Verschiedenheit hätte ausgemerzt werden müssen. In den statistischen Bänden jeder Volksbibliothek sind außerdem neuere Zahlen zu finden. Wir leben Ende -1911 Dies gilt auch im Hinblick auf die weiteren Ausführungen. Im Sommer 190b besuchten in Preußen 3,34 Proz. aller christlichen, jedoch 26,67 Proz. aller jüdischen Schulkinder eine höhere Knabenschule, Ruppin S. 121, (Sombart kürzt öfters die Dezimalstellen). In Berlin erhielten 1906 (diesmal nicht 1905!) 14,07 Proz. der christlichen, jedoch 67,53 Proz. der jüdischen Schulkinder bessere als Volksschulbildung. Ruppin S. 122.^ 1905/06 studierten in Preußen 4,71 auf 10 000 Christen, jedoch 31,77 auf 10 000 Juden, RuPP"> S. 126. (Es steht dort leider irrtümlich Prozent.)

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