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Jüdische Turnzeitung · 1911-10-01 · 10 (10.1911) · p. [Seite]

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Journal
Jüdische Turnzeitung
Volume
12 (1911)
Issue
10 (10.1911)
Date
1911-10-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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198 No. 10 Ein jeder, der die Absicht hat, Fußball zu spielen, sollte sich vorher von einem Arzt untersuchen lassen. Stellt dieser ein gesundes Herz und eine gesunde Lunge fest (allgemeine Körperschwäche ist kein Hinderungsgrund), dann muß an ein intensives Training des Spielers gegangen werden; denn nur wer seinen Körper vorher systematisch gekräftigt hat, ist in der Lage, die Anstrengungen eines eineinhalbstündigen flotten Spiels ohne Schaden zu ertragen. Zur ersten Einführung in das Spiel muß sich der Spieler mit den Spielregeln, am schwierigsten ist die Abseitsregel, vertraut machen und sie vollkommen beherrschen. Das praktische Üben des einzelnen Spielers besteht vorerst in der Ballbehandlung mit den Füßen; der Übende soll lernen, den Ball sowohl links als rechts aus jeder Lage zu treten; dann folgt Fußballweittreten und -stoßen nach einem bestimmten Ziel. Auch das Stoppen oder Töten des Balles und gute Kopfstöße müssen fleißig geübt werden. Nebenher geht ein eifriges Lauftraining. Warnen will ich dabei vor einem Zuviel, einem Überhasten des Trainings. Der Spieler beginne 400 bis 500 m in einem mittleren Tempo zu durchlaufen. Allmählich vergrößere man die Laufstrecke und übe auch Starts mit einem Schnellauf über 50 bis 60 m; denn der Spieler muß nicht nur 90 Minuten Dauerlauf durchhalten können, sondern auch durch eingelegte kurze Schnellläufe dem Gegner zuvorzukommen suchen. Der Anfänger wird nach solch ungewohnter Arbeit zuerst ein Ziehen und Schmerzen seiner Muskeln empfinden. Leichte Massage und baldige Qewöhnung der Muskeln an die von ihnen geforderte Anstrengung werden das Übel rasch verschwinden lassen. Da das Fußballspiel bei uns nur Sonntags stattfinden kann, ist es erforderlich, daß der Fußballer auch in der Woche seinen Körper stählt und für das sonntägliche Spiel vorbereitet. Und da ist vor allem ein zweimal wöchentliches Turnen mit reichlichem Ueben des Seilspringens (der für den Fußballspieler wichtigsten Übung) zu empfehlen. Wem Turnen nicht möglich ist, der soll es durch Zimmergymnastik und Waldläufe ersetzen. Das Vermeiden von Nicotin- und Alkoholgenuß wird das körperliche Befinden des Fußballspielers angenehm beeinflussen. Spätestens zwei Stunden vor Beginn des Spieles soll man die letzte Mahlzeit zu sich genommen haben. Beherrschen die Spieler die Technik vollkommen, so werden sie in die Mannschaft eingestellt, und wenn auch die Ausbildung eine für alle gleichmäßige war, so wird es doch Sache des Spielführers (Kapitäns) sein, einen jeden an den für ihn am besten passenden Platz zu stellen. Man pflegt jetzt nur noch das Kombinationsspiel, das zwar von dem einzelnen ein Kehöriges Maß von Selbständigkeit und rascher Entschlußkraft verlangt, ihn aber doch zwingt, sich im Interesse der eigenen Partei unterzuordnen. Ei" bekannter englischer Fußballspieler, Shorp, sagt darüber: „Eine aus Individualitäten, so glänzend diese auch sein mögen, zusammengesetzte Mannschaft kann gegen eine kombinierte Mannschaft bestimmt nicht aufkommen. Eine Fußballmannschaft ist ein Orchester, in welchem es keine Solisten geben soll, welche nur für sich und ihren Ehrgeiz spielen." Ist die Mannschaft hinreichend eingespielt, so wird sie in Gesellschafts- und Wettspielen ihr Können zu zeigen haben. Und im ehrlichen Wettstreit wird die Mannschaft nur dann siegen, wenn sie ihren Gegner im Kombinationsspiel übertrifft. Wer da denkt, durch unfaires und regelwidriges Spiel den Gegner zu besiegen, wird bald eines besseren belehrt werden. Und nun zu einer uns jüdische Turner am meisten interessierenden Seite der Materie. Alles im Leben ist Kampf. Wir jüdischen Turner müssen nach zwei Fronten kämpfen. Einmal gegen die Lethargie unserer e^n.e" Volksgenossen und dann gegen die Geringschätzung durch unsere w'r"f" Völker. Das Turnen allein vermag uns Anerkennung nicht zu bringen; den

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