Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 10 (10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 191 zu einer Gemeinde, so erhielt er ein bestimmtes Geldstück. Ob ihm damit geholfen werde, ob man durch die nicht regulierte Wohltätigkeit nur berufsmäßige Schnorrer groß ziehe, interessierte nicht. Hier sah man eben Not und hier schenkte man. So wiederholt sich alles im Leben. Und dasselbe Schauspiel treffen wir in unserem Falle. Irgendwo besteht eine besonders krasse körperliche Not. Flugs wird für die eine Eruption etwas getan. (Dem Grundübel will mari nicht helfen, oder man leugnet den Zusammenhang der Dinge mit echter Vogelstraußpolitik.) Glaubt man aber wirklich, daß die jüdische Bevölkerung im Westen, die zur großstädtischen tendiert, in den aufreibendsten Berufen tätig, in allerlei ungesunden Verhältnissen befangen, die körperliche Gesundheit der alten Landjüden sich behalten wird? Glaubt man, daß das Geschlecht, das jetzt heranwächst und in fast 50 Prozent schon kurzsichtig ist, im nächsten, um nur ein Moment herauszugreifen, ohne schwere völkische Anstrengungen wieder besser sehen wird? Glaubt man, daß die Mischehen, das lange Zölibat, die Geschlechtskrankheiten keinen Einfluß auf die völkische Gesundheit der Juden ausüben werden? Glaubt man, daß das Zweikindersystem der Neuzeit keine rassenschädigenden Folgen haben könnte? Ich will nicht zu den Neunriialweisen gehören, die grundlos Kassandrarufe ausstoßen. Aber ich glaube, daß selbst, wenn keine Gefahr im Verzug wäre, alle die vielen Gesundheitsfragen vor einen Gesundheitsrat gehören. Ich glaube, daß alle die Faktoren, die die jüdische Hygiene feierten, auch weiter ihr Anteil an den Hygienebestrebungen nehmen müssen, ich hoffe, daß einzelne der Institutionen den Anschluß an die allumfassende Regenerationsbewegung finden mögen, und ich fordere, soweit mir ein gewisses moralisches Recht zusteht, daß die großen Fragen der Existenz, der degenerativen Prozesse in der Judenheit, der Hygiene usw., ein Forum in der Turnerschaft besonders an ihren Tagungen finden, wobei der energischste Anschluß an alle interessierten Körperschaften erfolgen möge. Kein ängstlicher und kleinlicher Geist wird deshalb die treffliche Waffe — das Turnen — zur Bekämpfung der körperlichen Entartung übersehen. Im Gegenteil. In der Ueberzeugung, daß die eigens geartete Jüdische Lage, die Not der Zeit, die energische Propagierung der körperlichen Betätigung fordert, liegt auch der beste Propagator des Turnens. Der Untergang der deutschen Juden. Eine Besprechung von Hans Goslar -Berlin. Heutzutage werden 90 Prozent aller neuerschienenen Bücher mit einer schreiend roten oder gelben Leibbinde in die Welt hinausgeschickt, auf der jn fetten Buchstaben die Worte verzeichnet stehen: „Dieses Buch ist eine •at!" »Sensationell!" „Dieses Buch bedeutet einen Wendepunkt . . .!" "sw. in den meisten Fällen steckt sicherlich hinter den volltönenden All- Preisungen nichts, aber auch gar nichts, und der Laie wird sehr bald zu der Einsicht kommen, daß diese Bücher durchaus nicht immer das halten, was auf