Jüdische Turnzeitung
- Journal
- Jüdische Turnzeitung
- Volume
- 12 (1911)
- Issue
- 10 (10.1911)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 10 187 Palästinas einzuführen, eine Frage, mit der sich der Ausschuß der Jüdischen Turnerschaft in allerletzter Zeit beschäftigt hat und die in der Hauptsache cein finanzieller Natur ist. In welcher Weise diese Frage gelöst werden wird, läßt sich heute noch nicht übersehen. Sicherlich aber dürfen wir für die Turnsache in Palästina, die sich so vielversprechend entwickelt hat, \or Opfern nicht zurückschrecken; denn das ist sicher: Was wir heute für unsere Sache in Palästina tun, wird sie uns tausendfältig in ideellen Werten^ zurückgeben. Nachstehend sei ein kurzer Bericht über die turnertschen Vorkommnisse der letzten Zeit gegeben. In den früheren Jahren, als man im hebräischen Gymnasium turnte, das in Tel Awiw, außerhalb der eigentlichen Stadt Jaffa, liegt, aber über eine verhältnismäßig vollkommene Turneinrichtung verfügt, kamen wegen der weiten Entfernung nur wenige Unentwegte aus der Stadt zum Turnen. Jetzt wird aus diesem Grunde in der Mädchenschule des Odessaer Komitees geturnt. Dort sind zwar bisher noch keine Geräte außer dem Vereinsinventar (bestehend aus einem Barren eigener Konstruktion, Sprungbrett, Tau, Kugel, Gewichten und 18 Paar Keulen), doch hob sich der Betrieb Hier bedeutend, trotz der Abwesenheit des Herrn Orloff, der in Europa seine Ausbildung vervollständigte, und des vollständigen Mangels eines anderen fähigen Leiters. In jeder Turnstunde (Montag und Mittwoch von Vfcß bis 9 Uhr) wird nach den Freiübungen in drei Riegen geturnt, die fast jeden'Abend an denselben Geräten üben. In der Mädchenschule ist bereits mit dem Bau einer dem dortigen Klima angepaßten offenen Turnhalle begonnen worden, die im Laufe des Wintersemesters fertiggestellt sein wird. Auch das Gymnasium plant den Bau einer Turnhalle, doch fehlen hierzu noch die Mittel. Für beide Hallen fehlen ferner sämtliche Geräte, und wir würden uns große Verdienste um die jüdische Turnbewegung in Palästina erwerben, wenn wir die für die Einrichtung der Hallen notwendigen Fonds aufbringen würden. Die Organisation des Vereins läßt infolge der schwierigen Umstände noch viel zu wünschen übrig, doch wird sie nach dem geplanten Beitritt zum „Makkabi" in Konstantinopel eine bessere werden. Leider haben die bemittelten jüdischen Kreise in Jaffa bis jetzt nur wenig Interesse an der Sache genommen, doch ist zu hoffen, daß mit der heranwachsenden Jugend auch dieses sich ändern wird. Umso erfreulicher ist das turnerische Leben außerhalb der Turnstunden. Jeden freien Tag morgens 6 Uhr treffen sich die Turner am Meeresstrand, um zu baden. Darauf bleiben die Turner bei allerhand Spielen, Laufen, Springen etc. bis 9 Uhr zusammen und treffen sich am Nachmittag wieder zum volkstümlichen Turnen, vor allem zum Fußballspiel. Wenn es möglich ist, werden Turnmärsche in die benachbarten Jüdischen Kolonien unternommen. Die Turner werden dort freundlichst aufgenommen und haben bei ihren Spielen und anderen Turnübungen stets eine große Zahl begeisterter Zuschauer. Oerade in den Kolonien könnte man auf eine gute Entwicklung von Turnvereinen rechnen, da dort fast leder junge Mann für unsere Idee begeistert ist. Ein besonders erfreuliches Zeichen sind die großen Turn- und Sportfeste, die alljährlich an den Halbfeiertagen des Pessach oder Sukkoth in Rechoboth stattfinden und die eine Art jüdischer Olympia zu werden versprechen. Aus allen Kolonien Palästinas kommen dann die Kolonistensöhne und Arbeiter zusammen, um im Wettkampf ihre Kräfte zu